Jewel: Picking Up The Pieces – Album Review

Jewel: Picking Up The Pieces – Album Review

Jewels erfreuliche Rückkehr zu ihren Singer-Songwriter-Wurzeln

von Gérard Otremba

Bereits mit ihrem Debütalbum Pieces Of You katapultierte sich die damals 21-jährige Jewel 1995 in die Charts. Die amerikanische Sängerin erreicht in ihrer Heimat Platz 4 in den Album-Charts, auch Europa empfing sie mit offenen Armen, die Top-100 waren kein Problem, in Deutschland kletterte sie immerhin auf einen beachtlichen 19. Platz. Wie im Vorübergehen brachte die in Alaska aufgewachsene Jewel Kilcher (so ihr bürgerlicher Name) mit ihren persönlichen Songs eine neue Sensibilität in den Folk-Pop. Das ging ein paar Jahre gut, bevor sie dann als Pop-Sternchen in hiesigen Gefilden von der Bildfläche verschwand und nur noch in den USA mediokre Erfolge zu verzeichnen hatte. Vor zwei Jahren erinnerte ein Greatest Hits-Album an die beiden Karriere-Dekaden, nun nimmt Jewel, nach der Geburt ihres Sohnes und Trennung von ihrem Mann, den richtigen musikalischen Faden wieder auf. Als hätte sich ein Kreis zum ersten Longplayer geschlossen, vermitteln die Songs auf Picking Up The Pieces wieder die intensive Intimität, für die Jewel einst bekannt war.

Ihr Gesang und die akustischen Gitarren stehen wieder im Vordergrund, andere Instrumente, wie E-Gitarren, Schlagzeug, Pedal Steel, Bass und Orgel halten sich erfreulich dezent zurück. Nachdem Ben Keith, ihr bevorzugter Produzent für diese Platte, im Jahre 2010 verstarb, übernahm Jewel auch diesen Part und gab ihren selbstkomponierten Liedern genügend Freiraum zur Entfaltung dessen, was man gemeinhin Authentizität nennt. Jewel ist wieder ganz bei sich, sie barmt und schmachtet, säuselt und greint mit Inbrunst und manchmal überstrapaziert sie ihre Stimmbänder, was an gewöhnungsbedürftige Grenzen stößt. Doch sind Songs wie „Love Used To Be“, „A Boy Needs A Bike“, „Everything Breaks“, „Family Tree“, „Here When Gone“, „The Shape Of You“ oder die Duette mit Rodney Crowell („It Doesn’t Hurt Right Now“) und Dolly Parton („My Fathers’s Daughter“) die besten Jewel-Kompositionen seit vielen, vielen Jahren. Picking Up The Pieces klingt angenehm unangestrengt, aber mit entspannter Tiefenwirkung. Eine erfreuliche Rückkehr zu ihren frühen Singer-Songwriter-Wurzeln. Und mit ihren 41 Jahren sieht Jewel noch aparter aus als vor 20 Jahren.

„Picking Up My Pieces“ von Jewel ist am 30.10.2015 bei Sugarhill Records / Concord Records / Universal Music erschienen.

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.