Afterpartees: Glitter Lizard – Album Review

Afterpartees: Glitter Lizard – Album Review

Abgefahrener Punk-Rock-Pop zwischen The Clash und The Libertines

von Gérard Otremba

Haben Pete Doherty und Carl Barât jüngere Brüder? Scheinbar. Sie wohnen im niederländischen Horst an der Maas, unweit der deutschen Grenze, nennen sich Afterpartees und mischen mit ihrem Debütalbum Glitter Lizard den Indie-Pop-Rock mal so richtig schön auf. Da schaut man dann schon mal gerne leicht neidisch ins Nachbarland, denn das Quintett ist die zur Zeit wohl aufregendste musikalische Kreuzung aus The Libertines und The Clash. Auf Glitter Lizard versammeln sich zwölf knackige zwei bis Drei-Minuten-Songs, neue Hymnen und Herzensbrecher-Songs für die nächste Teenagergeneration und alle, die mit dem Rock’n‘Roll jung bleiben (wollen).

Indie-Rock, Punk-Rock, Garage-Pop mit einem Hauch von Glam-Rock überzogen, der 70er-Jahre-Punk-Rock feiert fröhliche Urstände bei Afterpartees und holt zusätzlich die Ära der „The“-Bands der Nuller-Jahre mit ins Boot. Das geht mit dem im The Clash-Modus verhafteten, euphorischen Opener „Loverboy Loco“ schon mal irre gut los und mit „Power Animal“, einem dringlichen Bastard aus The Strokes und den Ramones, unwiderstehlich weiter. Punk-Rock, versehen mit genialen Hooks. Die Libertines im Midtempo finden sich in „Guccis Ballad“ wieder, ein Song, der jederzeit mit seinen Vorbildern mithalten kann. „Hey Ho, Let’s Go“ meint man in „Candy Color Wearin‘ Weirdos“ zu hören, Punk’n‘Roll mit grenzenlosem Pop-Appeal, der einen schlicht und ergreifend wegknallt. Von unfassbarer Lässigkeit geprägt ist „Bathroom Floor“, während das ultrakurze „Wonderwall (floating)“ sich als zuckersüßer Schmachtfetzen erweist.

Die schnellere Variante des Songs begegnet uns dann später noch in „Wonderwall (drawning)“. Dazwischen schmettern uns die fünf jungen Herren noch ein unverwüstliches „Girls Like You“ sowie den schwelgerischen Garage-Power-Pop von „First/Lost“ entgegen. Ein Song, der mit „Yeah, Yeah, Yeah“ endet, muss ein guter Song sein, jedenfalls, wenn er mit der Inbrunst von Afterpartees gespielt wird. Auf Glitter Lizard folgt ein potentieller Indie-Hit dem nächsten, denn auch „Lilly“ verzückt mit jugendlicher Sehnsucht, die im polternden Punk-Rock-Pop ein musikalisches Zuhause findet. Eine balladeske Atempause gönnen sich Afterpartees im verletzlichen „Stuck On The Nightshift“, doch mit krachender Vehemenz beenden sie das Album in bester Punk-Rock-Manier mit „Red Bull“. Glitter Lizard ist eins der ausgelassensten und bemerkenswertesten Debütalben der letzten Jahre. So abgefahren und enthusiastisch kann Epigonentum sein. „Get teenage kicks right through the night.“ Klasse!

„Glitter Lizard“ von Afterpartees ist am 04.09.2015 bei Excelsior Recordings erschienen.

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