Wilco: Star Wars – Album Review

Wilco: Star Wars – Album Review

Kein Meisterwerk, aber ein immer noch erstklassiges Wilco-Album

von Gérard Otremba

Plötzlich, unerwartet, von heute auf morgen und ohne Ankündigung stand das neue Wilco-Album Star Wars als freier Download im Netz bereit. Selbstverständlich erscheint der Longplayer im August auch in physischer Form, doch war der Vorabdownload ein willkommenes Schmankerl, um sich mit der Platte ausführlich auseinanderzusetzen. Star Wars ist mit seinen circa 33 Minuten das mit Abstand kürzeste Wilco-Album in der nunmehr 20-jährigen Karriere der Band aus Chicago und ein guter Fingerzeig auf den Inhalt.

Auch nach mehrmaligem Hören bleibt die Erkenntnis, dass es sich bei Star Wars nicht um ein weiteres Meisterwerk handelt, aber immer noch um ein erstklassiges Wilco-Album. Um an die phänomenalen Wunderwerke Summerteeth, Yankee Hotel Foxtrott, A Ghost Is Born, Sky Blue Sky und The Whole Love fehlt Star Wars der intellektuelle Überbau und die Doppelbödigkeit. Stattdessen gibt sich die Band um Mastermind Jeff Tweedy so rau, rasant, aber auch hastig wie lange nicht mehr. Mächtige und durcheinanderwirbelnde Gitarrenparts eröffnen das Album in „EKG“, bevor sich im Refrain von „More…“ die sanfte Folk-Pop-Note gegen die aufbrausenden Gitarren durchsetzt. „Random Name Generator“ ist die straighte Rocknummer im Stil von „I Might“ aus dem letzten, vier Jahre zurückliegenden Wilco-Album The Whole Love, vorwärtstreibend und mit Biss.

„The Joke Explained“ experimentiert mit Sixties-Rock-Psychedelia und Tweedy singt wie ein überheblicher Bob Dylan. „You Satallite“ ist eines der großen Highlights, das sich vor den vielen Wilco-Großtaten nicht verstecken muss. Hier fließen alle Instrumente mantraartig und rauschhaft zusammen, bevor sie in einer Soundkaskade untergehen. „Taste The Ceiling“ hat den unwiderstehlichen Pop-Moment wie „Summer Noon“ aus dem letztjährigen Tweedy-Familienprojekt Sukierae. Federleicht und ausgesprochen hübsch. Dreckige und fiese Gitarrenparts befeuern „Pickled Ginger“, während „Where Do I Begin“ in sehnsuchtsvoller Melancholie badet. „Cold Slope“ entpuppt sich als ein flatterhafter Blues-Rock-Song, „King Of You“ setzt wieder auf prägnante, stakkatoartige Gitarrenriffs und beim abschließenden „Magnetized“ glänzen Wilco nochmal in bester Beatles-Tradition der späten 60er. Ein meisterlicher Abschluss eines insgesamt zu unruhigen neunten Wilco-Studioalbums.

„Star Wars“ von Wilco erscheint am 21.08.2015 bei dBpm Records.

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