Der FC St. Pauli und die Saison 2015/16

Der FC St. Pauli und die Saison 2015/16

Eine Vorschau zur 2. Fußball-Bundesliga

von Gérard Otremba

Nachdem an dieser Stelle vor Jahresfrist eine Platzierung zwischen Platz vier und zehn für den FC St. Pauli als realistisch angesehen worden ist, müssen für die neue Saison aller Wahrscheinlichkeit nach kleinere Brötchen gebacken werden. Die abgelaufene Zweitligasaison 2014/15 entwickelte sich für die Kiezkicker zum Alptraum. Nach einem verkorksten Start musste Trainer Roland Vrabec bereits Anfang September seinen Posten räumen, mit dem jetzigen Sportdirektor Thomas Meggle lief es für die Pauli-Kicker auch nicht viel besser, erst nach der Verpflichtung des kultigen Ewald Lienen bekamen die Fußballer des FC St. Pauli halbwegs die Kurve.

Doch vor dem Abstieg zittern mussten die Profis bis zur letzten Minute, bevor ein am Ende glücklicher 15. Tabellenplatz heraussprang. Einen ähnlichen Saisonverlauf möchte die Lienen-Truppe natürlich unbedingt vermeiden, doch zwei Tage vor dem Startschuss zur neuen Runde erreichte die Mannschaft dann die Hiobsbotschaft. Der japanische Neuzugang Ryo Miyaichi fällt mit einem Kreuzbandriss für ein halbes Jahr aus. Der zweimalige japanische Nationalspieler kam von Twente Enschede, wohin er von Arsenal London ausgeliehen wurde, und galt als Hoffnungsträger für die offensive linke Außenbahn. Ein herber Schlag, der erst mal kompensiert werden muss.

Und da sich sonst bis auf die Festverpflichtung des bereits ausgeliehenen Lasse Sobiech vom Hamburger Sportverein und die Weiterverpflichtung des ausgeliehenen Waldemar Sobota in Sachen Neuzugänge kaum etwas getan hat, wird es interessant sein zu beobachten, inwiefern der Kader stabil genug ist, in eine halbwegs sorgenfreie neue Saison zu gehen. Ein Platz in der oberen Tabellenhälfte scheint eher utopisch. Aber vielleicht überrascht ja der FC St. Pauli in einer wahrscheinlich wieder mal sehr ausgeglichenen 2. Fußball-Bundesliga.

 

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Logo: FC St. Pauli

Vom Aufstieg in die erste Bundesliga muss man somit beim Hamburger Zweitligisten noch nicht träumen. Dafür kommen andere Vereine in Frage, allen voran RasenBallsport Leipzig. Man mag ja zu diesem „Verein“ (auch mir fällt es schwer in diesem Zusammenhang das Wort Verein zu schreiben), stehen, wie man möchte, doch im kommenden Jahr führt das Aufstiegsrennen nur über die von Ralf Rangnick trainierten Leipziger.

Es käme einer großen Überraschung gleich, spielten die Konzernprofis in der Saison 2016/17 nicht in der ersten Fußball-Bundesliga. Dahinter tummeln sich diverse Mannschaften, die für die Aufstiegsplätze in Frage kommen, darunter logischerweise die Absteiger aus Freiburg und Paderborn und der letztes Jahr so unglücklich in letzter Minute in der Relegation am HSV gescheiterte Karlsruher SC. Die Ex-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig, 1. FC Nürnberg, Fortuna Düsseldorf und VfL Bochum möchten neben den „Eisernen“ von Union Berlin die zweite Liga sicherlich ebenfalls so schnell wie möglich in Richtung Belle Etage verlassen.

Viele Vereine, die sich nach unten orientieren müssen bleiben dann gar nicht mehr übrig, zeigte sich der letztjährige Aufsteiger aus Heidenheim schon sehr gefestigt und stiegen mit MSV Duisburg und Arminia Bielefeld zwei ambitionierte Traditionsvereine aus der dritten Liga auf. Aus dem Norden betrachten entwickelt sich der TSV 1860 München zwar immer mehr zu einem lustigen Karnevalsverein, doch finden die „Löwen“-Fans den Zustand ihres Lieblingsvereins sicherlich nicht so witzig. Und nochmal eine Last-Minute-Rettung in der Relegation möchten die Blau-Weißen sicherlich auch nicht mehr erleben.

Es wird ein Hauen und Stechen geben, das heute Abend mit der Saisoneröffnungspartie zwischen MSV Duisburg und 1. FC Kaiserslautern beginnt. Ich wünsche allen Fans viel Spaß und gebe eine Endtabellen-Prognose zwischen Wunsch und Wirklichkeit ab.

  1. RasenBallsport Leipzig
  2. FC Kaiserslautern
  3. SC Freiburg
  4. Fortuna Düsseldorf
  5. Eintracht Braunschweig
  6. FC Union Berlin
  7. Karlsruher SC
  8. SC Paderborn 07
  9. FC Nürnberg
  10. FC Heidenheim
  11. VfL Bochum
  12. FC St. Pauli
  13. MSV Duisburg
  14. TSV 1860 München
  15. Arminia Bielefeld
  16. FSV Frankfurt
  17. SpVgg Greuther Fürth
  18. SV Sandhausen

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