Girlpool: Before The World Was Big – Album Review

Girlpool: Before The World Was Big – Album Review

Punk und Folk, reduziert auf Gesang, Gitarre und Bass

von Gérard Otremba

Vieles auf dem Debütalbum von Girlpool atmet den Geist des Punk, allen voran die geringe Lauflänge von circa 25 Minuten, das hat früher für eine Plattenseite gereicht. Immerhin sind zehn Songs auf Before The World Was Big enthalten und das sehr junge Duo aus Los Angeles, das mittlerweile in Philadelphia beheimatet ist, weiß genau, dass nur Krach und Rabatz noch lange keinen Punk ausmacht. So verzichten Gitarristin Cleo Tucker und Bassistin Harmony Tividad auf ein Schlagzeug und konzentrieren sich auf eine reduzierte, ganz und gar minimalistische Mischung aus Rock, Punk und Folk. Die beiden kaum 20-jährigen Musikerinnen singen ihre Adoleszenz-Texte gemeinsam und das kann, auch wieder ganz im Punk-Sinne, so richtig schön schrill und schräg werden, wie zum Beispiel im Titelsong „Before The World was Big“ oder bei „Cherry Picking“, das zwar intim und sanft beginnt, sich langsam, aber mächtig aufbaut und mit exzessiven Gesängen aufwartet. Erinnert in der ausgelassenen Vehemenz dann teilweise sogar an einige Songs der wunderbaren Lassie Singers.

Trotz der wenigen instrumentalen Möglichkeiten, die sich Girlpool mit der selbstgewählten Reduzierung bieten, macht es Spaß, dem Duo zuzuhören. Ob der vergleichsweise gewaltige Indie-Rock in „City Bus“, oder das 30-Sekunden-Stück (Punk!) „Magnifying Glas“, der jugendliche Übermut macht sich bezahlt. Der Opener „Ideal World“ geht am Ende in einem Velvet Underground-artigen Gitarrengetöse unter, während „Dear Nora“ geradezu gesäuselt vorgetragen wird, „Chinatown“ mit harmonischem Gesang überrascht und „Pretty“ ganz zärtlich und introvertiert intoniert wird. Die zwei vielleicht schönsten Songs auf Before The World Was Big, das eindringliche „Emily“ sowie das graziöse „I Like That You Can See“, haben sich Girlpool für das Albumende aufgehoben, eine auf den Punkt gebrachte Quintessenz ihres Rock-Punk-Folks. Wir reden bei dem Album Before The World Was Big zwar nicht von einem Meisterwerk, doch verfolgt Girlpool einen überaus interessanten wie radikalen Ansatz.

„Before The World Was Big“ von Girlpool ist am 29.05.2015 bei Wichita Recordings / PIAS erschienen.

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