Alexander Osang: Comeback – Roman

Alexander Osang: Comeback – Roman

Sie waren unsterblich, für eine Nacht

von Gérard Otremba

Frei nach den Rolling Stones nennen sie sich Die Steine. Alex, Axel, Vonnie, Paul und Nora sind eine erfolgreiche DDR-Band der 80er-Jahre und schaffen den Spagat zwischen Revolte und Anpassung. Mit dem Fall der Mauer ändert sich auch für die Steine alles. Frontfrau Nora scheitert mit dem Versuch, kurz nach der Wende in New York eine erfolgreiche Solokarriere zu starten, es kommt zu Comeback-Tourneen und Zerwürfnissen. Die gab es in der Bandvergangenheit immer wieder, Gitarrist und Songwriter Alex sowie Sängerin Nora sorgten als starke Charaktere für die Reibungspunkte innerhalb der Gruppe. Doch es funktioniert irgendwie auch nach 30 Jahren nur gemeinsam und so gehen die Steine im Jahre 2012 mit neuer Platte im Gepäck erneut auf eine Comeback-Tour. Alexander Osang erzählt die Geschichte der fiktiven Ostrockband Die Steine mittel Perspektiv- und Zeitwechsel. Er beleuchtet die Schicksale der einzelnen Mitglieder in unterschiedlichen Stadien der Bandgeschichte und erfindet eigene sehr markante Songtexte.

Alexander Osang ist 1962 in Ost-Berlin geboren, arbeitet als Journalist u.a. für den Spiegel und begleitete eine Zeit lang die echte Ost-Rock-Band Pankow auf einer ihrer Tourneen. Diese Erfahrungen fließen in das Kapitel „Almost Famous trifft Gunter Gabriel“ ein, wenn sich Stern-Reporterin Carola Jürgensen den Steinen auf der Comeback-Tour im Osten der Republik anschließt. Eine eindrucksvolle Reportage nicht nur über einen fast bemitleidenswerten Nostalgie-Trip der Band, sondern eben auch über die einstmals angeblich „blühenden Landschaften“. Normalerweise muss ich der Hamburger Band Trümmer zustimmen, die auf ihrem Debütalbum verlautbarten: „Nostalgie ist prinzipiell nicht zu ertragen“. Doch der Hauch von Nostalgie, der diesen Roman umweht, wird früh angekündigt, wenn Sängerin Nora nämlich bei einem auf den ersten beiden Seiten gedruckten Interview mit Carola Jürgensen auf das Steine-Konzert von 1988 in Friedrichshain vor 25000 Zuschauern hinweist und mit dem Satz endet: „Wir waren unsterblich“. Über die Nostalgie hebt sich jedoch in Alexander Osangs neuem Roman Comeback das Gefühl der Wehmut. Und das macht die Lektüre erstaunlicherweise überaus liebenswert. Alexander Osang hat mit Comeback den alten Ostrockbands ein trauriges wie witziges und überaus charmantes Denkmal gebaut.

Alexander Osang: „Comeback“, S. Fischer Verlag, Hardcover, 978-3-10-002278-3, 19,99 €. 

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.