Das Euphorie-Festival der Band Trümmer im Hamburger Molotow – Konzertreview

Das Euphorie-Festival der Band Trümmer im Hamburger Molotow – Konzertreview

Eine begeisternde Euphorie-Festival-Premiere am 30.04.2015 im Molotow

von Gérard Otremba

Eine schöne Idee, den Tanz in den Mai mit einem kleinen Live-Musik-Festival zu begehen. Die Hamburger Indie-Rock-Formation Trümmer lud zum ersten Euphorie-Festival einige neue, aufstrebende und hörenswerte Bands ein und meldete ein ausverkauftes Molotow. Den Beginn macht kurz nach 19 Uhr das österreichische Trio (live zum Quartett erweitert) Kids N Cats in der Skybar des Molotow. Schlagzeug, Gitarre und ganz viele Regler stehen neben der extrovertierten Frontfrau Jeanne im Mittelpunkt des halbstündigen Auftritts. Zwischen Electro-Pop, Trance-Pop und HipHop wechselt der Sound der Wiener Band, mal crazy und experimentell, mal schmusig und dem Dream-Pop verhaftet, knuffig-originelle Outfits inklusive.

Kid'N'Cats, Trümmer Euphorie Festival, 30.04.2015, Molotow Hamb
Foto: Stefan Simrock / StefansLichtbilder.de

 

Im Club geht es anschließend mit Lafote weiter. Ein erster großer Kontrastpunkt im Programm, setzt das Hamburger Trio doch ganz auf Indie-Rock und Punk. Bereits im Vorprogramm von Trümmer letztes Jahr auf sich aufmerksam machend, genügen Lafote Gitarre, Schlagzeug, Bass und ein immer straighter Beat, um glücklich zu sein und andere glücklich zu machen. Energiegeladen knallen einem die Songs um die Ohren, doch vernachlässigen Lafote auch den Pop-Moment nicht, wie die Single „Zündschnur“ beweist.

Lafote, Trümmer Euphorie Festival, 30.04.2015, Molotow Hamburg
Foto: Stefan Simrock / StefansLichtbilder.de

 

Dann wieder die Treppen hoch in die Skybar, wo ein weiteres in Hamburg beheimatetes Trio auf seinen Gig wartet. Love-Songs heißt die Band, die mit Bass, Schlagzeug, Gesang und diversen Reglern eine Art progressiven Clubsound kreiert. Sphärische New Age-Klänge, percussive Rhythmen, der Auftritt von Love-Songs fühlt sich wie ein einziger, nicht abreißender Flow an.

Lovesongs, Trümmer Euphorie Festival, 30.04.2015, Molotow Hambu
Foto: Stefan Simrock / StefansLichtbilder.de

 

Nach 30 Minuten wieder runter in die Bar. Aus Berlin zum Euphorie-Festival gereist sind U3000. Das Quartett überzeugt mit unfassbar eingängigen Indie-Pop-Melodien, hymnisch und arenentauglich. Wave-Pop trifft auf Disco-Pop-Rock. Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard und zwei Gesangsstimmen reißen von der ersten Minute an mit, Franz Ferdinand dürfen sich warm anziehen. Wer die Songzeile „Ich werde mich nie gegen Liebe wehr’n“ (aus dem Song „Galaxien“) schreibt, hat schon gewonnen. Und auch „Wir haben euch belogen, als wir euch gesagt haben, die Welt ist rund“ (aus „Wir haben euch belogen“) hat Esprit und Charme. Im September erscheint die erste Platte von U3000, die Vorfreude steigt.

U3000, Trümmer Euphorie Festival, 30.04.2015, Molotow Hamburg
Foto: Stefan Simrock / StefansLichtbilder.de

 

Mit Soft-Punk definiert die Hamburger Band Der Ringer das Genre ihrer Musik auf der Band-Facebookseite. Leicht irritierend, denn als punkig ist das Konzert des Quintetts sehr wohl zu bezeichnen, soft eher weniger. Vielmehr bewegt sich die Band in einer Schnittstelle aus Post-Punk, New-Wave, frühe NDW im Stil von Fehlfarben, opulenter Indie-Alternative-Rock-Pop und Club-Disco-Pop-Rock. Die fünf allesamt in schwarz gekleideten jungen Herren begleiten Trümmer bei den anstehenden Konzerten im Mai und Ende des Jahres erscheint auch das Debütalbum von Der Ringer.

Der Ringer, Trümmer Euphorie Festival, 30.04.2015, Molotow Hamb
Foto: Stefan Simrock / StefansLichtbilder.de

 

In dem Mai getanzt wird dann mit den Gastgebern. Allerspätestens als das Gitarrenintro zu „Wo ist die Euphorie“ kurz vor Mitternacht erklingt, hat eben jene nun wirklich alle Festivalgäste erreicht. Trümmer starten ihren entfesselten Auftritt mit „Revolte“ und sofort springt der Funken über. Sänger und Gitarrist Paul Pötsch, Bassist Tammo Kasper, Schlagzeuger Max Fenski und Gitarrist Helge Hasselberg haben den Punk im Kopf und den Pop im Herzen (oder umgekehrt) und verleihen dieser Mischung eine explosive Note. Sie sind noch cooler und lässiger geworden seit ihrem letzten Auftritt im Molotow, gleichzeitig aber immer noch aufgekratzt und spielen alle Songs des selbstbetitelten Debütalbums, darunter eine pulsierende Maxi-Version von „Scheinbar“, ein sich in hymnische Sphären aufschwingendes „Papillon“, ein Bass dominiertes „Der Saboteur“ und weitere berauschende Indie-Pop-Rock-Hymnen wie „Schutt und Asche“ und „Nostalgie“. Für die Zugabe „1000. Kippe“ holen sie sich Hamburgs Musik-Ikone Bernd Begemann zur Verstärkung auf die Bühne und die drei Thalia-Theater-Schauspielerinnen Maja Schöne, Franziska Hartmann und Alicia Aumüller, mit denen Trümmer für das Stück „Charles Manson: Summer Of Hate“ zusammenarbeiteten, verleihen dem Gig bei einem Blues-Rock-Stück eine stimmgewaltige und weiblich-grazile Ausstrahlung.

Trümmer, Trümmer Euphorie Festival, 30.04.2015, Molotow Hambur
Foto: Stefan Simrock / StefansLichtbilder.de

 

Die Besucher des Euphorie-Festivals erleben Adrenalin pur und können nach dem Trümmer-Konzert wählen zwischen Tanz in den Mai-Disco im Club und Karate-Keller des Molotow, oder der After-Show-Party mit Sängerin und Keyboarderin Sophia Kennedy, die mit 80er-Synthie-Pop aufwartet und den anschließenden Disco-Club-klängen von Carsten Meyer, alias Erobique, lauschen. Eine mehr als gelungene Euphorie-Festival-Premiere.

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.