Courtney Barnett: Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit – Album Review

Courtney Barnett: Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit – Album Review

Abgefahrenes und überzeugendes Indie-Rock-Debütalbum der australischen Sängerin

von Gérard Otremba

Der Preis für den originellsten Plattentitel des Jahres 2015 dürfte Courtney Barnett gewiss sein. Die australische Sängerin und Gitarristin weiß aber auch musikalisch auf ihrem Debütalbum Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit zu überzeugen. Die Endzwanzigerin aus Melbourne zeigt sich auf Sometimes… in der Rolle der Indie-Rock-Göre mit DIY-Attitüde und einem Hang zu melodiösem Feinsinn. Im Opener, dem Indie-Country-Rock „Elevator Operator“, klingt Barnett wie die jüngere, rotzigere Ausgabe von Lucinda Williams. Frühwerke von Sheryl Crow fallen einem als Referenz ebenfalls ein, doch obliegt der Musik von Courtney Barnett immer auch die Riot-Girrrl-Einstellung einer Liz Phair zu Grunde, wie „Pedestrian At Best“ zeigt. Abgefuckter Indie-Rock, einer wilden Patti Smith durchaus gefällig. Mit entwaffnender Ehrlichkeit und Selbstironie erzählt Courtney Barnett von ihren Komplexen und Alltagsängsten. Manchmal in entspannter Lässigkeit, verspielt, verträumt und lakonisch wie in „Depreston“, mal im unbeschwerten Indie-Garagen-Power-Pop-Rock von „Debbie Downer“.

Der Midtempo-Rock-Pop von „An Illustration Of Loneliness (Sleepless In New York)“ und „Dead Fox“ zeigen Courtney Barnett als Indie-Ausgabe von Lucinda Williams mit Liz-Phair-Annäherung und melodischer Pop-Affinität. Rotziger und wilder gebärdet sie sich bei „Aqua Profunda!“ und „Nobody Really Cares If You Don’t Go To The Party“. Bei der Musik zieht man die Party auch allein zu Hause durch. Fast gelangweilt, mit teilweise herrlich dissonanten Gitarren wie aus dem Off, singt Barnett „Small Poppies“, eine sieben minütige Verbeugung vor Velvet Underground. Und mit dem fast genauso langen, dunklen und verstörenden „Kim’s Caravan“ eifert Barnett Nick Cave nach und komponiert ihr eigenes „The Carny“. Der langsame „Boxing Day Blues“ beruhigt zum Abschluss die Gemüter. Courtney Barnett glückt mit Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit ein abgefahrenes und absolut überzeugendes Indie-Rock-Debütalbum und gehört mit Laura Marling und Marika Hackman zu den aktuell wichtigsten Musikerinnen des weit gefassten Rock-Pop-Genres.

„Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit“ von Courtney Barnett ist am 20.03.2015 bei Marathon / Kobalt erschienen.

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