Element Of Crime: Lieblingsfarben und Tiere – Album Review

Ein weiteres fabelhaftes Element Of Crime-Album

von Gérard Otremba

Vor 20 Jahren stieg ich in den Element Of Crime-Kosmos ein, der mich nie wieder loslassen sollte. Mit der 1994 veröffentlichten Platte An einem Sonntag im April begann eine lange und innige Freundschaft zur Musik der in Berlin beheimateten Band und just an das eben jene hanseatischste Album der Elements erinnert mich „Am Morgen danach“, der Einstieg in Lieblingsfarben und Tiere, dem 13. Studioalbum von Element Of Crime. Thematisch geht es schon mal in die richtige Richtung („Schiffe flussabwärts der Nordsee entgegen / Erst kam die Nacht und dann kam der Regen / Du ohne Plan und ich ohne Schirm, war ja klar“), dazu Sven Regeners zarte Ironie und lakonische Melancholie, sein gefühlvolles Trompetenspiel, das Akkordeon von Langzeitbegleiter Ekki Busch, die sanfte Gitarre von Jakob Ilja, der unaufdringliche Bass von David Young und das diskrete Schlagzeug von Richard Pappik, der zusätzlich noch die Mundharmonika spielt. Alles so schön und sofort verliebt man sich neu in den chansonhaften Rock-Pop von Element Of Crime. Seitdem Sven Regener unter die Schriftsteller gegangen ist und mit seiner Herr Lehmann-Trilogie für Aufsehen sorgte, zuletzt erschien der überaus witzige Sidekick Magical Mystery – Oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt, werden die Abstände zwischen den Element Of Crime-Platten sukzessive länger. Bereits fünf Jahre sind seit Immer da wo du bist bin ich nie vergangen, doch erfreulicherweise ist die Zeit bei Element Of Crime stehengeblieben. Lieblingsfarben und Tiere ist gewohntes Element-Terrain, eine Wohlfühloase, in der sich schnell das Gefühl der Geborgenheit einstellt.

Von Durchleitungsproblemen, Wölfen und Schafen

Da ist der eskapistische Titelsong, in dem Regener die „Durchleitungsprobleme“ auf den „Schwachstromsignalübertragungsweg“ reimt und zu der Erkenntnis kommt: „Denk an Lieblingsfarben und Tiere / Dosenravioli und Buch / Und einen Bildschirm mit Goldfisch / Das ist für heute genug“. Das gibt es nur bei Sven Regener und seinen Elements. Die Bläsergruppe betten ihr Spiel sowohl in der flotten Uptemponummer „Schade dass ich das nicht war“, als auch im düstereren „Liebe ist kälter als der Tod“ perfekt ein, was für das Streichquartett in „Immer so weiter“ und „Dunkle Wolke“ ebenfalls gilt. Und ein Songtitel wie „Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen“ kann auch nur Regener einfallen. Mit dieser typisch melancholischen Element-Ballade endet Lieblingsfarben und Tiere, ein weiteres Album, das die hohe Qualität der deutschsprachigen Platten von Element Of Crime bestätigt. Was mit Damals hinterm Mond begann, mit Weißes Papier seine Fortsetzung erfuhr, führte über Die schönen Rosen, Psycho, Romantik und Mittelpunkt der Welt hin zu Lieblingsfarben und Tiere. Suchen Sie sich ein Lieblingsalbum aus, Sie werden von jedem begeistert sein.

„Lieblingsfarben und Tiere“ von Element Of Crime erscheint am 26.09.2014 bei Vertigo / Capitol/ Universal Music.
http://www.universal-music.de/element-of-crime/videos/detail/video:347700/lieblingsfarben-und-tiere

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