Sabine Wirsching: Druckstaueffekt / Soundcheck Berlin – Mit Crowdfunding zum Romandebüt

Sabine Wirsching: Druckstaueffekt / Soundcheck Berlin – Mit Crowdfunding zum Romandebüt

Voll das Leben. Oder: Die Suche nach dem Glück

von Gérard Otremba (Beitragsfoto: Sabine Wirsching)

Sabine Wirsching hat einen Roman über den Sinn und Unsinn, über die Möglichkeit und Unmöglichkeit den richtigen Lebenspartner im Großstadtdschungel Berlin zu finden geschrieben. Die eben dort lebende gelernte Buchhändlerin und Journalistin schickt in Druckstaueffekt – Soundcheck Berlin die nach einer längeren Partnerschaft und einer Depression in eine Beziehungskrise geratene, knapp 30-jährige Ich-Erzählerin in das Berliner Nachtleben. Von ihrem Freund trennt sie sich nicht wirklich, sie zieht zwar aus der gemeinsamen Wohnung aus, ihr Partner bleibt weiterhin ihr Lover, jedoch einer von vielen. In rasanter Abfolge lernt die rothaarige Buchhändlerin (und damit genug der Parallelen zur Autorin) neue Männer kennen, gerät zunächst jedoch an Exemplare der Gattung Mann, die, um es vorsichtig zu sagen, an ihrem minderbemittelten Sozialverhalten arbeiten sollten und alles andere als ein leuchtenden Beispiel für die Spezies Mensch dienen. Glücklicher wird die Ich-Erzählerin durch die neuen Intim-Beziehungen zweifellos nicht. Sabine Wirsching setzt ihre Protagonistin der Krux der modernen Gesellschaft aus. Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, die zu keiner wirklichen Kommunikation fähig sind, das Schreiben einer SMS aber für die Speersitze der selbigen halten und nicht merken, dass sie damit am Untergang vernünftiger Artikulation mitschreiben. So wird das nichts mit einer tollen Beziehung, egal wie schnell man auf eine SMS antwortet, oder eben nicht. Und unbekannte, betrunkene Männer schleppt man nicht mit nach Hause, hier ist Unheil per se vorprogrammiert, das muss Frau nicht wirklich ausprobieren.

Von interessanten Männern

Mit dem Sport-Ass und Unternehmer Max sowie mit dem Schriftsteller-Nerd Vincent trifft die Buchhändlerin zwei ernster zu nehmende Männer. Hin- und hergerissen zwischen Vincent, Max und ihrem (Ex-) Freund sucht Wirschings Hauptfigur nach dem richtigen Weg zum privaten Glück. Geschickt spielt Sabine Wirsching mit Klischees („Er sagt mir gleich, dass er mich schön findet und sofort setzt mein dummer Kopf aus“), schafft es aber darüber hinaus, einfühlsam und manchmal auch schonungslos die Psyche ihrer Akteurin offenzulegen. In ihrem Treiben steckt immer die immanente Sehnsucht nach mehr als dem offensichtlichen Schein. Hinter all dem Buhlen nach Aufmerksamkeit hinterlässt Wirschings Buchhändlerin letztendlich einen verletzlichen, melancholischen und romantischen Eindruck. In knapper, schnell zu lesender Prosa erzählt Sabine Wirsching aus dem prallen Leben ihrer Berliner Buchhändlerin, manchmal witzig, manchmal wehmütig, manchmal dramatisch, aber immer lesenswert. Druckstaueffekt – Soundcheck Berlin ist (k)ein Liebesroman, aber die Liebe treibt die Protagonistin an. Und eine Mystery-Geschichte integriert Sabine Wirsching auch noch in ihren Plot. Der Roman soll im Frühjahr 2015 im kladde buchverlag erscheinen.

Dazu ist Unterstützung nötig, denn das Buch finanziert sich durch ein Crowdfunding-Projekt, über das Sie online mehr erfahren: http://www.visionbakery.com/druckstaueffekt

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