Nico Brettschneider Band: Nachtleben & Kopfkino – Album Review

Nico Brettschneider Band: Nachtleben & Kopfkino – Album Review

Facettenreiches Debütalbum des Hamburger Liedermachers Nico Brettschneider

von Gérard Otremba

Das Ende letzten Jahres bei Pop-Polit angekündigte Debütalbum von Nico Brettschneider ist vor wenigen Wochen veröffentlicht worden. Zusammen mit Bassist Frank Zeimys und Gitarrist Rüdiger Rau sowie den Gastmusikern Frank Denhard an der Mandoline, Stefan Beyer am Schlagzeug und Michael Moje am Akkordeon hat der Hamburger Songwriter zehn beeindruckende Songs für Nachtleben & Kopfkino aufgenommen. Ja, Nico Brettschneider ist ein „Träumer“, wie sein im traditionellen Singer-Songwriter-Stil eines Woody Guthrie, Bob Dylan und Neil Young vorgetragener Album-Opener so passend heißt. Den Träumen geht Nico Brettschneider auch im anschließenden „Nordlicht“ nach. Mit dezenter Bandbegleitung entsteht ein grandioses Folk-Pop-Kleinod und was könnte es Schöneres geben, als „Träumen an der Elbe“? Immer wieder verblüffend, wie es der junge Hamburger Barde schafft, in „Epikur und sein Garten“ die Liedermacher-Heroen Hannes Wader und Reinhard Mey in einem Song zu vereinen, während im „Sommerregen Blues“, wo sich eine E-Gitarre sanft in den Vordergrund schiebt, moderne Songwriter-Qualitäten eines Gisbert zu Knyphausen deutlich zu spüren sind.

Neben dem Traum-Thema, nehmen die Lebenskomponenten Zeit und Freiheit den größten Raum in Brettschneiders Texten auf Nachtleben & Kopfkino ein. Das akkordeonbegleitete, fast jazzige „Herbstwind“ wartet mit der klugen Zeile „die Zeit heilt alle Wunden, doch manche bleiben“ auf und das in voller Bandbegleitung daherkommende „Irgendwo Irgendwann“ macht den Zeitbegriff schon im Titel zum Programm. Es verwundert nicht, dass der Träumer Nico Brettschneider konsequenterweise den Song „Kind bleiben“ komponiert, in dem er sich an Sandburgen und Schneemänner erinnert und weise dichtet: „Die Zeit hält mich vom Leben ab“. Den Freiheitsaspekt verinnerlicht Brettschneider im Bluegrass-Country-Folk-Noir-Stück mit dem Satz: „Freiheit ist, wenn du morgens aufwachst und nicht weißt, wo du abends stehst“. Im anschließenden „Übers Meer“ heißt es so schön wie treffend: „Wie gerne ich ein Vogel wär, mit dem Weitblick über das ganze Meer“. Vollendete Freiheit. Und wer als letzte Zeile seiner ersten Platte die Worte „ach, wie es mich anpisst“ stehen läßt, kann kein schlechter Musiker sein. Nachtleben & Kopfkino ist ein nachdenkliches, poetisches, berührendes, facettenreiches und wunderbares Liedermacher-Album geworden. Chapeau!

Weitere Infos unter: http://nico-brettschneider.de/

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