Joe Astray im Portrait

Joe Astray im Portrait

Der Neu-Hamburger Musiker Joe Astray will nur Musik machen

von Gérard Otremba

Auf die Frage nach einem Lebensmotto streckt Joe Astray wie aus der Pistole geschossen seinen rechten Unterarm aus und verweist auf das dort befindliche Tattoo. „Glad To Exist“ prangt als Leitspruch auf der Innenseite der Elle des seit einem Jahr in Hamburg lebenden Musikers. Lebensbejahender- und freudiger kann ein Grundsatz kaum sein. Und diese optimistische Lebenseinstellung ist sicherlich nötig, wenn man wie Joe Astray „der Musik wegen“ einfach mal nach Hamburg zieht. Das alles, wie er zugibt, relativ „planlos“ und so verwundert es nicht, dass sich der Sänger und Gitarrist noch immer in der Phase des Ankommens befindet. „Aber ich bereue es nicht, nach Hamburg gezogen zu sein“, resümiert Astray sein erstes Jahr in der Hansestadt. Gemeinsam mit seiner Freundin hat er den Sprung aus dem beschaulichen Freiburg in die weit entfernte Millionenstadt an der Elbe gewagt. „Ich liebe Freiburg wirklich, aber irgendwann fand ich die Stadt dann doch zu niedlich“, blickt der 1986 geborene Joe Astray auf seine Zeit im Breisgau zurück.

Joe Astray zwischen Freiburger Vergangenheit und Hamburger Zukunft

So ganz von Freiburg lassen kann Astray dann allerdings doch noch nicht, hat er dort mit Jimi Satans Schuhshop noch seine angestammte Punkrockband am Start, bei der er den Bass bedient. „Ich bin mindestens einmal im Monat, manchmal auch öfter, in Freiburg“, beschreibt Astray seinen momentan etwas unsteten Zustand. Dieses relativ häufige Hin- und Herpendeln zwischen den beiden Städten mache ihm zwar das Ankommen in Hamburg nicht einfacher, zumal die Band mit dem Berliner Label Rummelplatzmusik eine neue Heimat gefunden hat. Doch bleibt Jimi Satans Schuhshop Astrays Nebenprojekt, die Konzentration gilt der Solokarriere. Und hier fasst der 1986 in Sydney geborene Astray mit Gigs in der Ponybar oder als Support von Ha Ha Tonka in der Astrastube langsam aber sicher Fuß in Hamburg. Umzüge ist der 28-jährige Astray gewohnt. Seine Mutter ist Tänzerin von Beruf und hat schon mit Pina Bausch zusammengearbeitet, sein Vater Schauspieler, Standortwechsel standen in der Kindheit von Joe Astray infolgedessen öfter auf dem Programm.

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Foto: Joe Astray

Zahlreiche Umzüge und der Karlsruher SC

Zunächst 1990 von Australien nach Deutschland, danach „noch x-zählige Male“, bevor die Familie in Karlsruhe Halt machte. In dieser Zeit kam der eigentlich auf den Namen Josef Endicott hörende Sänger mit Musik nicht nachhaltig in Berührung. Vielmehr spielte der Sport, respektive der Fußball, eine wichtige Rolle, fing Astray doch als Torwart diverser Jugendmannschaften des Karlsruher SC die gegnerischen Bälle vielversprechend und talentiert ab. Brüche des Ringfingers der linken Hand erleichterten ihm jedoch die Entscheidung, den Wechsel vom Sport zur Musik zu wagen. Probleme beim Umgreifen an der Gitarre habe er zwar manchmal immer noch, „aber das ist schon okay“, sieht Astray über dieses Handicap galant hinweg. Mit der Do-It-Yourself-Methode begann er also erst im späten Teenageralter mit dem Gitarrenspiel und fand sich, durch den California-Skate-Punk von Bands wie Blink 182 inspiriert, als Sänger und Gitarrist der Karlsruher Punk-Rock-Formation Lucky Ginger wieder, die zwar immer noch besteht, jedoch nur just for fun gelegentlich zusammen auftritt.

Neue Joe Astray-EP erscheint im Herbst

Nach einer Ausbildung zum Hotelfachmann zog es Astray zurück nach Australien, wo er beschloss, sich nur noch der Musik zu widmen. Er begann in Sydney ein Musikstudium, das er später in Freiburg fortsetzte. Allerdings fühlte er sich durch die Theorie zu sehr eingeengt, doch da ihm „Musik alles bedeutet“, war schnell klar, dass er zukünftig, wenn irgendwie möglich, sich nur und ausschließlich der praktischen Musik hingeben wollte. „Musik ist mein Anker, mein Halt, der Weg, der mich antreibt“, fasst Astray seine Passion eindrucksvoll zusammen. „Für mich ist Musik eine Sprache, die jeder versteht. Sie berührt mich mehr, als alles andere“, verdeutlicht er die poetische Kraft seiner Leidenschaft. Doch eine Obsession kann schon mal durch Täler führen und viel Kraft kosten. So machte Joe Astray, der Bands wie Get Well Soon, The Gaslight Anthem, Bright Eyes oder The Eels als persönliche Favoriten nennt, in seinen Hamburger Anfangstagen „Straßenmusik, um mir mein Brot kaufen zu können.“ In der Zwischenzeit hat er sich die einige Connections aufgebaut und seine erste EP mit dem Titel Where You Want To Be herausgebracht. Die darauf befindlichen drei akustischen Folk-Punk-Songs finden im Herbst 2014 mit einer neuen EP ihre Fortsetzung. Aufgrund seiner Biographie habe er „keinen Bezug zur Heimat“ aufgebaut und so verwundert es nicht, dass Joe Astray in seinen neuen Songs wie „Newtown“ den Fragen „Was ist zu Hause?“ oder „Wo gehöre ich hin?“ textlich nachspürt.

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Foto: Joe Astray

Joe Astray im Oktober auf Tour mit Arthur Gepting

Thematisch sei er in seinen Texten „offen für alles“ und müsse nur „die Augen aufhalten, wenn ich durch die Stadt laufe“, um genügend Stoff für sein Songs zu sammeln. Neben der Musik bleibt ihm kaum Zeit für andere Hobbys. Ab und zu ein Buch lesen, wie zuletzt Magical Mystery von Sven Regener, ansonsten „treffe ich mich mit meinen Freunden und freue mich, mein Skateboard zu fahren und mich wieder wie 16 zu fühlen.“ Vielleicht fühlt er sich auch auf der Bühne wie ein Jungspund, im Oktober jedenfalls geht es zusammen mit Arthur Gepting auf eine ausgedehnte Tour durch Deutschland und Österreich. Die noch nötigen Nebenjobs, um über die Runden zu kommen, machen es Joe Astray möglich, für eine Konzertreise zu verschwinden, denn „wenn Chuck Ragan käme und mich auf seiner Tour gerne dabei hätte, könnte ich sofort ja sagen.“ Aber keine Angst, er kehrt dann bestimmt wieder zurück. Schließlich soll Hamburg doch die neue Heimat von Joe Astray werden.

Weitere Informationen über Joe Astray gibt es online unter http://www.joeastray.com/

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