Eels live in Hamburg – Konzertreview

Eels live in Hamburg – Konzertreview

Die zarteste Versuchung seit es die Eels gibt

von Gérard Otremba (Beitragsfoto von Piper Ferguson)

Die Wandlungsfähigkeit des Mark Oliver Everett, oder einfach nur E, erstaunt immer wieder. Auf der letzten Tour noch mit wüst-explosivem Blues-Rock unterwegs, reduziert der Mastermind der Eels die Arrangements seiner Songs beim Auftritt am 22. 07. 2014 in der Hamburger Laeiszhalle auf ein Minimum. Es war jedoch auch kaum anders zu erwarten, zeigen sich die Eels auf dem letzten Album The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett von der bislang ruhigsten und intimsten Seite. Als „uneasy listening“ deklariert Everett die Musik des Abends und völlig entspannt konzentriert er sich auf seinen rauen, knarzigen Gesang und das Pianospiel, gelegentliche Gitarren-Ausflüge inklusive. Seine Band, alle Herren für diesen Auftritt in graue Anzüge gezwängt, Everett zusätzlich mit Hut, trotz der tropischen Temperaturen im Saal, begnügt sich mit einer dezenten, dem Rahmen angemessenen Begleitung. Drummer Knuckles vertieft sich in sein Glockenspiel und erschreckt das Publikum geradezu mit seinen zeitweiligen Schlagzeugeinsätzen.

Krazy Al zupft und streichelt stoisch seinen Kontrabass, P-Boo steuert fast zu jeden Song eine sanfte Trompetenmelodie bei und Gitarrist The Chet ist mit der „sadmachine“, wie Everett dessen Pedal-Steel-Gitarre vorstellt, und der Melodica für die sehnsüchtigen Momente des Abends zuständig. Gemeinsam veredeln sie „Mansion Of Los Feliz“ und „My Beloved Monster“ mit ihren „Lalala“- „Uhuhuh“ und „Ahahah“-Chören. Zu den neuen, bezaubernden Songs wie „Parallels“, „Lockdown Hurricane“, „Where I’m From“, Gentlemen’s Choice“, „Where I’m Going“ und dem auch an diesem Abend überragenden „Mistakes Of My Youth“, die Eels finden zu einem perfekten Midtempo-Flow, gesellen sich die alten Klassiker „Daisies Of The Galaxy“ und das als Rock’n’Roll-Boogie daher schunkelnde „I Like Birds“. Als weitere Highlights des Gigs entpuppen sich, neben dem entzückenden „My Beloved Monster“ und dem groovy „Fresh Feeling“, die wunderschönen Zugaben „I Like The Way This Is Going“, „Blinking Lights“ und „Last Stop: This Town“, bevor Mark Everett mit den beiden letzten Songs, der Elvis Presley-Schmonzette „Can’t Help Falling In Love“ und dem Nilsson-Cover „Turn On You Radio“ fast eine wenig sentimental wird. Aber geschenkt. Vor den Zugaben verlässt E die Bühne und holt sich von diversen Gästen aus den ersten Reihen einige Umarmungen ab. Er hat sie sich verdient, für 80 Minuten großartige Live-Musik.

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