Rebecca Bakken: Little Drop Of Poison – Album Review

Rebecca Bakken: Little Drop Of Poison – Album Review

Rebekka Bakken spielt Tom Waits-Songs in Bigband-Format

von Gérard Otremba

Die Musik der norwegischen Sängerin Rebekka Bakken lässt sich vielleicht am besten als Pop-Jazz beschreiben, anzusiedeln irgendwo zwischen Norah Jones, Katie Melua, Beverly Craven und Carole King. Samtweiche Stimme und angenehmes Easy Listening. Und nun trifft die Chanteuse ausgerechnet auf den wilden, verqueren Tom Waits. Begleitet von der Bigband des Hessischen Rundfunks nahm Rebekka Bakken 16 Waits-Songs auf und sie legt sich wirklich mächtig ins Zeug, um die Waits-Songs eben nicht ins seichte Easy Listening zu überführen. Die Songauswahl ist superb, nur wenige Waits-Klassiker wie „Please Call Me, Baby“, „Downtown“, „Hang On St. Christopher“ und „Time“, stattdessen Abseitiges wie „Broken Bicyles“, „Just The Right Bullets“ oder „What’s He Building?“. Ausgerechnet bei „Time“ vermisst man die raue Waits-Stimme dann doch, ansonsten funktionieren Rebekka Bakkens Interpretationen sehr gut. Die Einsamkeit und Verlorenheit vieler Waits-Stücke transportiert die 1970 geborene Bakken in „Saving All My Love For You“, „I Can’t Wait To Get Off Work“ „If I Have To Go“ oder „Christmas Card From A Hooker In Minneapolis“ ganz famos, die Tom Waits-Schrägheit hält Bakken bei „Little Drop Of Poison“ und „Just The Right Bullets“ aufrecht. Natürlich ist Rebekka Bakkens Stimme eigentlich zu schön für die Waits-Verruchtheit, doch mit ihrem Joni Mitchell meets Emmylou Harris-Timbre veredelt sie die „San Diego Serenade“ und kitzelt mit der HR-Bigband im Rücken „Hang On St. Christopher“ Funk-Rock-Rhythmen heraus. Betrinken wird man sich sicherlich weiterhin zu den Tom Waits-Originalen, doch die Bigband-Variante seiner Songs auf Little Drop Of Poison mit Rebekka Bakken ist eine hörenswerte Alternative.

 „Little Drop Of Poison“ von Rebekka Bakken ist am 23.05.2014 bei Emarcy / Universal Music erschienen.

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