Tori Amos: Unrepentant Geraldines – Album Review

Tori Amos: Unrepentant Geraldines – Album Review

Die Frau und das Piano: Wunderschöne neue Songs von Tori Amos

von Gérard Otremba

Es war wahrlich ein kleines Erdbeben, das Tori Amos 1992 mit ihrem Album Little Earthquakes beim Hörer auslöste. Viel Piano, dezente, aber akzentuierte Bandbegleitung, eine himmlische, wenngleich hier und dort zum Schrillen neigende Stimme und Songs wie „Crucify“, „Silent All These Years“, „Winter“, „China“ oder das A Capella-Stück „Me And A Gun“ haben auch nach über 20 Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren und hinterlassen bereits in der Erinnerung Gänsehautatmosphäre. Die 1963 in North Carolina geborene Tori Amos machte aus ihrem Seelenleben keine Mördergrube, das intime Piano blieb ihr musikalisches Markenzeichen und mit dem Nachfolger Under The Pink und der Single „Cornflake Girl“ folgte zwei Jahre später auch der kommerzielle Durchbruch außerhalb der UK-Charts, wo Amos mit Little Earthquakes knapp an einer Top-Ten-Platzierung vorbeischrammte. Auch die weiteren Platten Boys For Pele und From The Choirgirl Hotel schafften Spitzenplatzierungen in den Albumcharts, alle folgenden Longplayer etablierten sich im vorderen Chart-Tableau, sie trat die legitime Kate Bush-Nachfolge an, die immer seltener von sich hören ließ, wunderschöne Songs gab es auf allen ihren Werken zu hören.

Unrepentant Geraldines in der Top-Five-Liste der Tori-Amos-Alben

Nachdem die 50-jährige, in England lebende Amerikanerin zuletzt im mehr oder weniger klassisch zu nennenden Ambiente unterwegs war, steht Unrepentant Geraldine, das 14. Studioalbum von Tori Amos, wieder ganz im Zeichen des von allen Anhängern geliebten Piano-Pop. Gleich zu Beginn verzaubert uns Tori Amos mit „America“, die sanfte Stimme, das perlende Piano, eine zarte Gitarre, später explodiert der Song kurzfristig, mit anmutige Eleganz jedoch beendet Tori Amos das Eröffnungsstück. Diese berührende Kombination von Tori Amos‘ Stimme und ihrem pointierten Pianospiel findet sich in all ihrer Schönheit und unterschiedlicher Fasson bei weiteren Songs wie „Wild Way“, „Weatherman“, „Selkie“, „Oysters“ oder „Invisible Boy“. Mystisch, poetisch, entrückt, ergreifend, sensibel, melancholisch, entzückend, traumhaft, wunderschön, Tori Amos eben. Ihre expressive Seite zeigt Amos in anderen Songs, wie zum Beispiel im dramatischen „Promise“, im zwischen Traum und Rummelplatz changierenden „Rose Dover“, in der NSA-Snowden-Satire „Great’s Rolling Pin“, das sogar zum Mitklatschen animiert. Der Titelsong „Unrepentant Geraldines“ gerät überraschend rock’n’rollig, während „16 Shades Of Blue“ in einen jazzartigen Electro-Pop mündet und „Trouble’s Lament“ als Southern Blues daherkommt. Das musicalhafte „Wedding Day“ und die Stimmakrobatik in „Maids Of Elfen-Mere“ vervollständigen das Album. Unrepentant Geraldine hat es jetzt schon in die Top-Five-Liste der Tori Amos-Platten geschafft.

„Unrepentant Geraldines“ ist am 09.05.2014 bei Mercury Classics / Universal erschienen.

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