Marcus Wiebusch: Konfetti – Album Review

Marcus Wiebusch: Konfetti – Album Review

Ein facettenreiches und ausdrucksstarkes Solodebüt des Kettcar-Sängers

von Gérard Otremba

Marcus Wiebusch hat was zu sagen. Das tut der 45-jähige Kettcar-Sänger auf seinem Solodebüt Konfetti. Und dort im wichtigen Schlüsselsong „Der Tag wird kommen“. Ein siebenminütiges Manifest für die Gleichheit der Menschen, unabhängig ihrer sexuellen Neigungen oder ihrer Hautfarbe. Im Sprechgesang wettert Wiebusch gegen „Bibelzitierer mit eurem Hass im Herzen“, und weil „nicht ewig homophobe Vollidioten bleiben werden“, sehnt Wiebusch, und viele andere mit ihm, den Tag herbei, an dem wir „die Liebe, die Freiheit, das Leben feiern“ werden. Und dann werden auch schwule Fußballer das Natürlichste der Welt sein. Diesen textlichen Abrechnungsstil eignet sich der gebürtige Hamburger noch bei „Nur einmal rächen“, „Jede Zeit hat ihre Pest“ und „Haters Gonna Hate“ an, Songs, in denen Wiebusch über in ihrer Jugend verletzte Computernerds, über falsche Hipster der Moderne und Internethassprediger schwadroniert.

Mit „Das Böse besiegen“ und „Was wir tun werden“ gelingen Marcus Wiebusch zwei positive antipodenhafte Entwürfe. Das alles hat Stil, Klasse und eine klare Aussage. Im Eröffnungsstück „Off“ begleiten wir Wiebusch in die Kinderjahre und in „Wir waren eine Gang“ wirft er einen Blick auf frühe Ideale und zeitliche Veränderungen. Musikalisch schimmert der Indie-Pop von Kettcar auf Konfetti zwar immer wieder durch, doch lotet Wiebusch auf Solopfaden bislang unergründetes Terrain aus. Mit vielen Gastmusikern und insgesamt sieben Produzenten öffnet der Mitbegründer des Grand Hotel van Cleef-Labels die Pforten hin zu HipHop, New Wave und einer teils opulenten Orchestrierung. Abwechslung ist das halbe Leben und Wiebusch präsentiert sie uns auf Konfetti. Euphorisierende, hymnische Trompeten und langsame Pianoläufe, „Ohohoh“-Chöre, Handclapping und groovy Electro-Funk, ob als Breitwandkonzept oder im Minimalismusformat, Marcus Wiebusch hält das Hörer-Interesse an den Konfetti-Songs stets hoch. Ein facettenreiches und fesselndes Solodebüt.

„Konfetti“ von Marcus Wiebusch ist am 18.04.2014 bei Grand Hotel van Cleef erschienen.

 

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