Jonathan Wilson live in Hamburg – Konzertreview

Jonathan Wilson live in Hamburg – Konzertreview

Genuines Konzert mit großartigen Songs von Jonathan Wilson

von Gérard Otremba

Im Vorprogramm von Jonathan Wilson tritt am 07. April 2014 im Hamburger Uebel & Gefährlich zunächst John Lennon McCullagh auf. Der Teenager aus dem englischen Doncaster spielt die Mundharmonika wie der junge Bob Dylan und singt wie der jüngere Bruder von Jake Bugg. Interessante Talente wachsen im UK auf, denn auch das Quartett Syd Arthur stammt aus England und stimmt das Publikum mit einigen groovy Psychedelia-Hippie-Space-Rock-Songs auf den Hauptact ein.

Jonathan Wilson zurück auf deutschen Bühnen

Auf deutschen Bühnen ist Jonathan Wilson schon ein guter alter Bekannter. Im Vorprogramm von Wilco lernte er 2011 mittelgroße Hallen kennen und als Support von Tom Petty ein Jahr später noch größere Arenen. Gute Gelegenheiten, seinen Folk-Rock einem größeren Publikum in Deutschland vorzustellen. Jonathan Wilson ward nicht vergessen als er letztes Jahr sein zweites Album Fanfare veröffentlichte und sich mit dieser Platte, neben dem zweiten Überraschungshighlight des Jahres 2013, Israel Nash und dessen Werk Rain Plans, in den Rock-Olymp spielte. Der 1974 geborene Amerikaner überzeugte mit 13 ausgetüftelten Songs auf 78 Minuten Lauflänge, die zwischen Folk, Rock, Psychedelia und Prog mit Jazzeinflüssen changieren. Diese stehen zu Beginn seines knapp zweistündigen Auftritts im Mittelpunkt. Der Titeltrack „Fanfare“, das bluesige „Illumination“ sowie das coole, jazzige „Fazon“ zeigen eine zwar zum Stoizismus neigende, aber perfekt harmonisierende Band. Dan Horne am Bass, Gitarrist Omar Velasco, Organist Jason Borger und Schlagzeuger Richard Gowan sind allesamt Meister ihres Fachs und entwerfen für Jonathan Wilson einen organischen Live-Sound.

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Foto: Bella Union

Folk-Rock mit Pink Floyd-Psychedelia-Einflüssen

Dessen Songs lassen genügend Freiräume für die individuelle Klasse seiner Musiker und so entwickeln sich im Verlauf des Konzerts diverse atemberaubende Jamsessions, wie bei „Dear Friend“, das gar lieblich und schunkelnd beginnt und zu einem irren Gitarrengewitter ausartet. In Monterey und Woodstock wäre Jonathan Wilson sehr viel Ehre und Ruhm zuteil geworden, zumal er mit einem Song wie „Desert Raven“ die Flower-Power-Ära evoziert und an Crosby, Stills, Nash und The Byrds erinnert. An den Harmoniegesängen von CSN angelehnt sind auch „Magic Everywhere“, „Future Vision“ und „Can We Really Party Today?“, das wie viele Stücke Wilsons von permanenten Rhythmuswechseln geprägt ist und einfach herrlich wegschwebt. Das Bob Welch-Cover „Angel“ nimmt kosmische Züge an, das Orgelspiel Borgers dominiert den Jam und zusammen mit „Moses Pain“ kulminiert alles in einem großen Rausch. Über das an Simon & Garfunkel erinnernde „New Mexico“ geht das Konzert mit „Valley Of The Silver Moon“ zu Ende, mit Pink Floyd-Psychedelia und Neil Young-Gitarren mündet der Song in eine 15-minütige Rock-Offenbarung, schade, dass Syd Barrett das nicht mehr erleben darf. Mit einer Prise Tom Petty versehen ist die Zugabe „Trials Of Jonathan“, das ein klasse Jonathan Wilson-Konzert mit überragendem Songmaterial endgültig abschließt.

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