Donna Tartt: Neuer Roman Der Distelfink – Lesung im Hamburger Amerikazentrum

Donna Tartt: Neuer Roman Der Distelfink – Lesung im Hamburger Amerikazentrum

Der neue Roman von Donna Tartt als literarische „Ausnahmeerscheinung“

von Gérard Otremba

Stephen King nennt den neuen Roman der amerikanischen Autorin Donna Tartt eine „Ausnahmeerscheinung“, wie die Gäste ihrer Lesung im Hamburger Amerikazentrum am 18.03.2014 im Gespräch mit Moderatorin Margarete von Schwarzkopf erfahren. Das ist zweifellos richtig und Donna Tartt „freue“ sich über das Kompliment von Stephen King, las sie doch im Alter von 14 Jahren begeistert dessen Roman Dead Zone.

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Foto: Goldmann Verlag

In einer Kleinstadt in Mississippi aufgewachsen, war die Bibliothek ein Zufluchtsort für die 1963 geborene Tartt, sie wurde zu einer Leseratte, verschlang unter anderem die Bücher von Charles Dickens und Mark Twain und während ihres Studiums entstand unter Beihilfe des Kollegen Bret Easton Ellis ihr Debütroman Die geheime Geschichte, in dem sie geschickt kriminalistisches Gespür mit traditionellem Erzählstil kombinierte. Der Roman avancierte vor knapp über 20 Jahren zum Millionen-Bestseller, der Nachfolger Der kleine Freund ging zehn Jahre später vergleichsweise etwas unter. Das dürfte mit Der Distelfink nicht passieren. Donna Tartt bejaht die Frage von Margarete von Schwarzkopf, ob sie den Begriff „Bildungsroman“ kenne und ob dieser auf ihr neues Buch zutreffe. Genauso passend ist es, von einem Entwicklungs-, Adoleszenz- und Gesellschaftsroman zu sprechen.

Wie ein kleiner Distelfink in die Kunst gerät

Der Distelfink von Donna Tartt

Der Schauspieler Heio von Stetten liest Auszüge der von Rainer Schmidt und Kristian Lutze ins Deutsche übersetzten Fassung und das Publikum lernt den Protagonisten Theo Decker kennen, der im Alter von 13 Jahren seine Mutter unter tragischen Umständen bei einer Bombenexplosion beim Besuch des Metropolitan Museum verliert. Während Theo einem älteren Mann beim Sterben unter den Gebäudetrümmern begleitet, wird er von diesem mehr oder weniger aufgefordert, ein kleines Gemälde des holländischen Malers Carel Fabritius an sich zu nehmen, das den Namensgeber von Tartts neuem Roman zeigt, ein weiterer wichtiger Protagonist dieses Buches. Nicht nur der Umfang von 1022 Seiten macht diesen Roman zu einem opulenten Lesevergnügen. Es ist die vielschichtige Themenauswahl, die fast minutiösen, detaillierten und ausufernden Erinnerungen Theo Deckers, die unterschiedlichen, fein ziselierten  Charaktere (Heio von Stetten schlüpft beim Vorlesen gekonnt und überaus witzig in die Rolle des russisch stammenden Boris, Theos besten Freundes), sowie die dichte atmosphärische Sprache und Fabulierkunst Donna Tartts, die den Roman zu einer außergewöhnlichen Neuerscheinung des literarischen Frühjahrs 2014 machen. Stimmungen und Orte seien für sie wichtige Faktoren für den Schreibbeginn an einem Buch, so die Schriftstellerin im Interview mit Margarete von Schwarzkopf und für Der Distelfink sei ein Gefühl von „dark Amsterdam, dark New York, dark Park Avenue“ ausschlaggebend gewesen. Womit Donna Tartt zwar keine beklemmenden Gefühle beim Leser vermittelt, jedoch untergründige und faszinierende mithin. So entstehen „Ausnahmeerscheinungen“ der zeitgenössischen Literatur wie Der Distelfink von Donna Tartt.

Donna Tartt: „Der Distelfink“, Goldmann Verlag, Hardcover, 978-3-442-31239-9, 24,99 €.  

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