Lydia Loveless: Somewhere Else – Album Review

Melodiöser Alternative-Country-Rock von Lydia Loveless

von Gérard Otremba

Erstaunlich. Lydia Loveless ist eben mal 23 Jahre jung und singt mit einer Inbrunst und Vehemenz, die an reifere Semester des Rockbusiness wie Bonnie Raitt denken lässt. Die auf einer Farm in Ohio aufgewachsene, später dann in Columbus groß gewordene Sängerin und Gitarristin präsentiert auf ihrem dritten Longplayer Somewhere Else zehn ausgefeilte, formvollendete Americana-Songs, die teilweise an Tom Petty & The Heartbreakers und natürlich an die wunderbare Lucinda Williams erinnern. Es sind perfekt arrangierte Alternative-Country-Rock-Songs, die Lydia Loveless mit ihrem Ehemann Ben Lamb am Bass, Todd May an der Gitarre und Backing Vocals sowie Schlagzeuger Nick German eingespielt hat. Der Opener „Really Wanna See You“ überzeugt mit viel Drive und Verve und hätte wie viele andere Stücke dieses Albums einen guten Eindruck auf Car Wheels On A Gravel Road oder Essence, den beiden Meisterwerken von Lucinda Williams, hinterlassen. Überhaupt klingt Lydia Loveless auf Somewhere Else wie eine Tochter von Lucinda Williams. Manche mögen ihr jetzt vielleicht Epigonentum vorwerfen, doch damit genügen sie dem Album nicht. Die Hooklines sind schlicht umwerfend und zum Verlieben, der Gitarrentwang macht süchtig und immer wieder natürlich die expressive, ureigene amerikanische Stimme von Loveless, mal barmend, mal halb schreiend, mal traurig und melancholisch wie im Titelsong „Somewhere Else“ oder in „Hurts So Bad“, wo der Schmerz in jedem Ton spürbar wird. Balladesk geht es ansonsten nur noch bei „Everything’s Gone“ zu, wunderhübsch mit einer Steel Pedal veredelt, und im blues-poppigen „Chris Isaak“. Straighte amerikanische Heartland-Rock’n’Roll-Songs jedoch überwiegen, ob „Wine Lips“, „To Love Somebody“, oder „Head“, John Mellencamp, Bruce Springsteen und Lucinda Williams lassen grüßen. Und das von Kirsty MacColl geschriebene und von Tracey Ullman in den 80ern in die Charts geführte „They Don’t Know“ setzt einen herrlich nostalgischen Schlusspunkt von Somewhere Else.

„Somewhere Else“ von Lydia Loveless ist am 14.03.2014 bei Bloodshot Records / Rough Trade erschienen. 

 

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