Warpaint: Warpaint – Album Review

Warpaint: Warpaint – Album Review

Mit erhabener und sinisterer Schönheit melden sich Warpaint mit ihrem zweiten Album zurück

von Gérard Otremba

Es scheint wohl doch nicht immer die Sonne in Kalifornien. Das Gegenteil von dem, was Albert Hammond einst über den amerikanischen Bundesstaat am pazifischen Ozean sang, fängt die in Los Angeles beheimatete Band Warpaint auf ihrem zweiten, nach dem Bandnamen betitelten Album ein. Schon das Debütwerk The Fool, das 2010 sechs Jahre nach Bandgründung das Licht der Welt erblickte, war alles andere als der verheißungsvolle Kuss eines ersten morgendlichen Sonnenstrahls. Grau verhangen war der Himmel auf The Fool, die bekannte Düsternis erfährt auf Warpaint noch tiefere Dimensionen. Es ist zweifellos ein schönes Album, das uns die vier Damen von Warpaint kredenzen. Es ist jedoch eine morbide, sinistere Schönheit, wie sie früher Joy Division eigen war. Tristesse Royale. Die beiden Gitarristinnen und Sängerinnen Emily Kokal und Theresa Wayman, Bassistin Jenny Lee Lindberg sowie Schlagzeugerin Stella Mozgawa tränken ihre Kompositionen in Sepiafarben, der Gesang meist schwebend und leicht verhallt, die Songstrukturen verwischt, im Nebel verschwindend und wieder auftauchend.

In „Keep It Healthy“, einem fast schon als fröhlich zu bezeichnenden Song, taucht, ähnlich wie bei „Love Is To Die“ eine liebliche Gitarre auf, bevor sich die anderen Instrumente sachte anschleichen, sich überlappen, auseinanderdriften und wieder zusammenfinden. Warpaint wird dominiert von einem sphärischen Sound, die Songs auf dieser Platte halten fast stur einen die Zeit anhaltenden Rhythmus ein, und kippen wie in „Hi“ schon mal ins Mysteriöse um. Dieses Geheimnisvolle und Untergründige  durchzieht auch den Synthie-Track „Biggy“. Sterbensschön dann der Elfengesang und die akustische Gitarre zu Beginn von „Teese“, während „Disco/Very“ tatsächlich mit einen coolen Tanz-Groove aufwartet und den bedrückten Gesamteindruck fast schon stört. Dieser wird jedoch mit dem ganz und gar entrückten „Go In“ zurückerobert sowie mit dem schönen Popsong „Feeling Alright“ und dem tranceartigen „CC“ gehalten. Entschleunigt, bedächtig und verzaubert hallt uns „Drive“ entgegen und das unendlich traurige und sanfte „Son“ beschließt ein graziles, erhabenes, würdevolles, aber auch verstörendes Album. Mit ihrem zweiten Longplayer erschaffen Warpaint den perfekten Soundtrack für die Morgendämmerung.

„Warpaint“ von Warpaint ist am 17.01.2014 bei Beggars erschienen. 


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