Tocotronic live in Hamburg

Tocotronic live in Hamburg

Tocotronic rockt Hamburg

von Gérard Otremba

Keine andere deutsche Band hat es auf so elegante Art und Weise verstanden, den Indie-Rock an die Spitze der Charts zu führen wie Tocotronic. Als Nerds der sogenannten Hamburger Schule 1993 gestartet, schafften Sänger und Gitarrist Dirk von Lowtzow, Bassist Jan Müller und Schlagzeuger Arne Zank mit dem vierten Album Es ist egal, aber den Einzug in die Top-20 der deutschen Album-Charts. Unaufhaltsam ging es über K.O.O.K., Tocotronic, Pure Vernunft darf niemals siegen und Kapitulation in die Top-10, bevor mit Schall & Wahn 2010 endlich und vollkommen verdient Platz eins erobert wurde. Das zehnte im Januar 2013 veröffentlichte Album Wie wir leben wollen machte es sich immerhin noch auf Patz drei gemütlich. 20 Jahre Tocotronic, Anlass genug, nach der Frühjahrestournee und diversen Sommer-Festivalauftritten noch einige ausgewählte Herbstkonzerte zu geben. Den Jahresabschluss bildet das seit Wochen ausverkaufte Heimspiel am 12.12.2013 im Hamburger Uebel & Gefährlich. Dirk von Lowtzow, Jan Müller, Arne Zank und Rick McPhail, der als weiterer Gitarrist und Keyboarder die Band offiziell seit 2004 verstärkt, spielen einen Querschnitt aus fast allen veröffentlichten Platten, beginnen mit dem düsteren Titelstück des aktuellen Albums „Wie wir leben wollen“, heben mit den Stadion-Rock kompatiblen Hymnen „Let There Be Rock“ und „This Boy Is Tocotronic“ ab und verwüsten das Uebel & Gefährlich mit dem rüden Post-Punk von „Sag alles ab“.

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Foto: Universal Music

Nach so vielen Jahren Tocotronic verlangt es den Fans der ersten Stunde nach Frühwerken und so wird „Drüben auf dem Hügel“ nach den ersten Akkorden enthusiastisch begrüßt. Nichtsdestotrotz brachten die Tocotronic-Alben mit den Jahren einen differenzierten Qualitätsnachweis, wie die Stücke des Meisterwerks Wie wir leben wollen an diesem Abend beweisen, insbesondere „Ich will für dich nüchtern bleiben“ und „Warte auf mich auf dem Grund des Swimmingpools“, zwei der besten Tocotronic-Kompositionen ever. Danach biegen die Tocos mit dem entfesselten „Aber hier leben, nein danke“ auch schon auf die Zielgerade. Es kracht noch mal ordentlich mit dem großartigen „Macht es nicht selbst“ und bei „Jackpot“, das vergleichsweise leger-melodiöse „Hi Freaks“ führt zum abschließenden Klassiker „Ich möchte irgendetwas für dich sein“. Von den alten Klassikern gibt es im Zugabenblock mit „Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen“ und „Freiburg“ noch zwei weitere Kostproben zu hören, eingebettet in „Mein Ruin“ und der mächtigen Schrammelorgie von „Explosion“. Hamburgs Vorzeigeband Tocotronic untermauert mit diesem Konzert den Status der erfolgreichsten deutschen Indie-Rock-Band, die ohne ihre Wurzeln zu verleugnen den Bekanntheits-Gipfel erklommen hat.

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