Jonathan Wilson: Fanfare

Mit dem sensationellen Album Fanfare erklimmt Jonathan Wilson den Singer-Songwriter-Olymp

von Gérard Otremba

Dass Jonathan Wilson ein guter Musiker ist, davon konnten sich die Besucher der letztjährigen Tom Petty & The Heartbreakers-Tour und davor bei Wilco-Konzerten überzeugen. Dass sich der 38-jährige Amerikaner mit seinem zweiten Album Fanfare dann gleich in den Songwriter-Olymp katapultiert, ahnten damals vielleicht noch nicht viele. Doch genau das ist passiert. Mit Fanfare gelingt Wilson der ganz große Wurf, mit dem sich der in Los Angeles beheimatete Singer-Songwriter auf eine Stufe mit Jackson Browne, Crosby, Stills & Nash und Fairport Convention springt.

Wilson gelingt ein modernes Laurel Canyon-Album, das tief in die Spät-60er und Früh-70er-Zeit eintaucht, den damaligen Geist einfängt und eine geradezu überbordende musikalische Freiheit vermittelt. Ein Psychedelic-Westcoast-Folk-Rock-Album, das Songstrukturen öffnet und ausreizt, eine Weird-Folk-Rock-Platte, die in jedem der 13 Songs Richtungen wechselt, Hacken schlägt, Finten setzt. Es ist ein großer Genuss, diesen Spuren zu folgen und zum Beispiel Querverweise zu Pink Floyd oder Genesis zu entdecken, wie in „Dear Friend“, wo Wilsons langsamer, abgehobener, hippieesker Gesang an Peter Gabriel in Zeiten „From Genesis To Revelation“ gemahnt, ein Psycho-Blues-Gitarren-Solo und eine wummernde Orgel tragen ebenfalls zu einem wunderbaren Trip bei. Ganz ähnlich wirkt die zwischen Opulenz und Elegie schwankende Ouvertüre „Fanfare“, die mit ihrem Streicherarrangement noch den Prog-Rock des frühen Electric Light Orchestra evoziert, Pink Floyd grüßt und ein schräges Saxophonsolo einbaut.

Ja, es ist viel los in den Songs von Jonathon Wilson, man kommt kaum hinterher. So richtig schönen, straighten Rock-Pop zwischen Tom Petty und The Wallflowers liefert Wilson allein mit „Love To Love“, jedoch nicht ohne auf ein unvermitteltes Break zu verzichten. Dass Mike Campbell und Benmont Tench von den Heartbreakers, Patrick Sansone von Wilco, Father John Misty, Roy Harper, Graham Nash, David Crosby und Jackson Browne zum Gelingen dieses famosen Album beitrugen wundert nicht. Das von einer Akustischen geprägte, von Percussion und Orgel untermalte „Cecil Taylor“ lebt darüber hinaus eben von den Harmoniegesängen der Herren Crosby und Nash – Stephen Stills ist durch Jonathan Wilson ersetzt – ein sensationeller Song. Wie so viele Lieder auf Fanfare. Wie das nicht minder eindrucksvolle, ruhige „Desert Trip“, oder das mit Bläsern ins Jazzige abdriftende „Fazon“. Nicht zu vergessen „Illumination“, in dem eine schwere Neil Young-Gitarre die Richtung vorgibt. Und alle hier noch nicht erwähnten Songs müsst ihr selbst entdecken, es lohnt sich. Jonathan Wilsons Fanfare muss man erleben.

„Fanfare“ von Jonathan Wilson ist am 18.10.2013 bei Bella Union / Pias / Cooperative Music erschienen. 

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