Van Morrison: Moondance – The Remastered Album

Van Morrison: Moondance – The Remastered Album

Van Morrisons Astral Weeks-Nachfolger Moondance, remastered, erweitert und schöner denn je

von Gérard Otremba

 Mit seinem Wunderwerk Astral Weeks hob Van Morrison 1968 musikalische Grenzen auf. Ein aus Raum und Zeit fallendes Meisterwerk, keinem bis dato gekannten Genre zuzuordnen, gleichzusetzen nur noch mit den Großtaten eines Bob Dylan und den Beatles. Doch was lässt man einer solch außergewöhnlichen Platte folgen? Nun, Van Morrison entschied sich, mit Moondance ein weiteres Meisterwerk aufzunehmen. Die Remastered-Version von Moondance liegt jetzt in der Standard, Expanded- und Deluxe-Edition vor. Schwebte Astral Weeks noch über allen irdischen Dingen, geriet das 1970 erschienene, dritte Album (ich zähle Blowin‘ Your Mind!  trotz der Veröffentlichungsstreitigkeiten mit) wesentlich geerdeter, gleichzeitig zugänglicher, freier und greifbarer.

Van Morrisons Mischung aus Blues, Soul, R&B, Jazz, Folk und Pop erfährt auf Moondance die höchstmöglichen Weihen. Der phantastische Auftakt „And It Stoned Me“ glänzt mit Morrisons souveräner und doch so eindringlichen Bluesstimme, die Gitarren flirren, das Piano versieht vorsichtige Tupfer, die Saxophone schmiegen sich ins Arrangement ein und setzen glanzvolle Akzente. Alles fließt, erhaben und schön. Der Piano dominierte, coole Jazz des Titelsongs „Moondance“ erreicht höchst erotische Dimensionen und das verträumte, zarte, romantische, fast liebliche „Crazy Love“ singt Morrison geradezu hingebungsvoll und wird dabei von den soulfull Backing-Vocals-Sängerinnen Emily Houston, Judy Clay und Jackie Verdell unterstützt. Für „Caravan“ verfällt Van „The Man“ Morrison in einen fieberhaften Bluesrausch, mit herrlichen „Lalalala“-Refrains, ähnlich wie im mitreißenden Abschlusstrack „Glad Tidings“. „Into The Mystic“ gehört zweifellos zu den besten Kompositionen Morrisons aller Zeiten. Das Piano wird von akustischen Gitarren eingerahmt, Saxophone schleichen sich ein, Morrisons Stimme erhebt sich pathetisch. Den Song umgibt die Aura der umfassenden Grandezza, voller Anmut und Grazie. Die schönste Form der reinen Ästhetik. Und Morrisons Naturelemente werden zu Religion.

Das flotte Uptempo von „Come Running“ könnte den Blues Brothers als Vorlage gedient haben, „These Dreams Of You“ hebt sich mit einer markanten Blues-Harp und einem Saxophonsolo ab, während das tieftraurige „Brand New Day“ und das mittelalterlich anmutende „Everyone“ das famose Album abrunden. Bis auf „And It Stoned Me“ und „Everyone“ gibt es auf der zweiten CD der Expanded Version ganz großartige alternative Aufnahmen aus den im Jahre 1969 entstandenen Sessions, die den Eindruck der intensiven Schönheit von Moondance noch verstärken. Ähnlich schön wie Van Morrisons damalige Frau Janet Planet, die im Booklet auf drei Fotos verewigt ist. Mit „Nobody Knows You When You’re Down And Out“ sowie „I Shall Sing“ befinden sich auf der Zusatz-CD zwei bisher unveröffentlichte Morrison-Songs und ganz zum Schluss ist noch ein wunderbarer, ausufernder Jam von „I‘ve Been Working“ zu hören. Doch dieser Song erschien dann auf dem Moondance-Nachfolger His Band And The Street Choir. Und das wiederum ist eine ganz andere Geschichte. Fortsetzung folgt (hoffentlich), denn es wird höchste Zeit, die frühen Großtaten Van Morrisons in Neufassungen auf den Markt zu bringen. Es lohnt sich.

Moondance – The Remastered Album von Morrison ist am 18.10.2013 bei Warner Music erschienen.

 

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