Paul McCartney: New

Paul McCartney: New

Paul McCartney zelebriert auf New Beatles-Melodien und moderne Sounds

von Gérard Otremba

 Das neongrelle Cover macht was her. Ein Eyecatcher zweifellos. Trotz des Albumtitels New erfindet sich Paul McCartney nicht wirklich neu. Auf seinem wohl 23. Studioalbum in der Nach-Beatles-Ära zeigt sich der 71-jährige Liverpooler aufgeschlossen gegenüber modernen Sounds und trotzdem klingt McCartney bei diversen Songs so beatleesk wie lange nicht mehr. Es nützt zwar nichts, doch bei jedem neuen Paul McCartney-Album stellt sich mir die Frage, wie ein glorreiches Beatles-Alterswerk wohl klänge, wären John Lennon und George Harrison noch am Leben und musizierten gemeinsam mit McCartney und Ringo Starr. Auf New zeigt Paul McCartney, was er immer noch drauf hat. Das Händchen für großartige Melodien ist ihm auch im Alter nicht abhandengekommen. Natürlich gab es vor allem in den 80er Jahren einige musikalische Verfehlungen in der Karriere des Ex-Beatle. Doch konnten sich spätere Alben wie Driving Rain und Chaos And Creation In The Backyard durchaus hören lassen. Auch für einen der beiden vormals federführenden Songwriter in der besten Band der Welt. Die Ansprüche an einen Musiker wie Paul McCartney sind unzweifelhaft höher als bei 08/15-Bands. Die Bewertung des Schaffens mitunter radikaler und unbarmherziger und somit manchmal ungerechter. Über New kann man viele Beschwerden nicht vorbringen. Beim Eröffnungssong „Save Us“ überwiegen noch fette Gitarren, treibender Rock’n’Roll, doch McCartneys untrügliches Gespür für die feine Melodieführung schimmert hier schon durch und gewinnt bei „Alligator“ schon die Oberhand. Die Beatles irgendwo zwischen White Album und Abby Road. Edel und schön. Ähnlich gekonnt „On My Way To Work“, in dem ein aus Chichester stammendes, geschichtsstudentisches  Pin-Up-Girl eine wesentliche Rolle spielt, eine federleichte McCartney-Ballade, fröhlich und trotzdem voller Melancholie, mit Akkordeon, Violinen und Celli verziert. „Queenie Eye“ euphorisiert mit gewaltigen Drums und dramatischem Pianospiel, während „Early Days“, McCartneys textliche Beatles-Reminiszenz, in seiner akustischen Reduzierung fast schon die Schönheit von „Blackbird“ erreicht. Der Titeltrack „New“, mit Mellotron, Trompeten und Saxophon angereichert, evoziert wieder die Beatles-Spätphase und „Everybody Out There“ überzeugt durch unbeschwerte Fröhlichkeit, herrliche McCartney-Harmonien mit Streichern und Flöten versetzt. Das ist der Paul McCartney der alten Schule, Beats aus der Ambientmusic in „Appreciate“ sind da schon etwas gewöhnungsbedürftiger. Die hübsche Melodie von „Looking At Her“ wird durch etwas zu viel Programmierungen und Geräusche gestört und der Disco-Rock von „I Can Bet“ wirkt zwischenzeitlich ebenfalls verstörend. Vergleichsweise düster und gar mystisch erklingen „Hosanna“ und „Road“, bevor Paul McCartney die Fans allein am Piano mit einem Hiddentrack verabschiedet. Die meisten Instrumente hat McCartney selbst eingespielt und mit Paul Epworth, Mark Ronson und Ethan Johns erstklassige Produzenten engagiert. Gemeinsam gelingt ihnen mit New ein abwechslungsreiches Album, das einem Meister wie Paul McCartney sehr gut zu Gesicht steht.

New von Paul McCartney ist am 11.10.2013 bei Hearmusic / Concord / Universal erschienen. 

         

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