Fleet Foxes: Crack-Up – Album Review

Fleet Foxes: Crack-Up – Album Review

 

Lohnenswerte Wartezeit

Im Vergleich zu einem Kevin Morby lässt sich die aus Seattle stammende Band Fleet Foxes immer etwas länger Zeit mit der Veröffentlichung eines Albums. Drei Jahre sind zwischen dem selbstbetitelten Debüt von 2008 und dem Nachfolger Helplessness Blues vergangen, für das dritte Album Crack-Up mussten alle eine Wartezeit von gar sechs Jahre auf sich nehmen. Der scheue und introvertierte Sänger und Mastermind Robin Pecknold ward der ausgelöste Hype nach der ersten Platte und der Tour zur zweiten zu viel und so zog er sich zwischenzeitlich an die Columbia University in New York zu Studien der Geisteswissenschaft zurück, arbeitete nur hin und wieder, ohne jeglichen Zeitdruck an neuen Songs. Die Zeit, die sich Pecknold nahm, war eine gut investierte.

Man hat sie wahrlich vermisst, die pastoral-barocken Harmonien, die hinreißenden Chorgesänge, Pecknolds häufig ins Falsett verfallende Stimme, die naturalistische Ausrichtung ihrer Kompositionen, die kunstvollen Arrangements. All das bietet Crack-Up mit elf Songs in 55 Minuten im Überfluss. Die Fleet Foxes trauen sich denn auch ohne mit der Wimper zu zucken, das fast neunminütige „Third Of May / Odaigahara“ als Single auszukoppeln. Ein monströser Song, der zwischen glasklarer Reinheit und schroffer Zerrissenheit changiert. Es kommt zu Brüchen und unerwarteten Wendungen und damit charakterisiert das Stück auch das neue Album. Bereits der sechseinhalb Minuten dauernde, mit abrupten Unterbrechungen arbeitende Opener „I Am All That I Need / Arroyo Seco / Thumbprint Scar“ stellt den Hörer vor eine Herausforderung, aber wer sich auf Schritte im Treppenhaus und himmlische Streicher einstellt, hat schon gewonnen und wird von dem Ideenreichtum überrascht sein.

Die ineinanderfließenden „Cassius“ und „Naiads, Cassadies“ hingegen sind auf dem Weg zur vollkommener Anmut, die in „Kept Woman“  endgültig erreicht wird. Harmoniegesänge, „Uh-Uh-Uh“-Chöre, endlose Melancholie. Die sanfte Folk-Ballade „If You Need To, Keep Time On Me“ berührt zutiefst, während “Mearcstapa“ in der Dramatik verstörend wirkt. Hypnotische Magie verströmt „On Another Ocean (January / June)“ und „Fool’s Errand“ schaukelt sich in kosmische Gefilde. Ganz und zart und zerbrechlich das anschließende, fast geflüsterte „I Should See Memphis“ und im abschließenden Titeltrack werfen sich die Fleet Foxes in volle Hymnenhaftigkeit, samt Bläsersätzen und obligatorischen Richtungswechseln. Man benötigt etwas Geduld mit einigen ausgefallenen und vertrackten  Kompositionen von Crack-Up, aber die Fleet Foxes belohnen einen dafür mit einem mal wieder zauberhaften neuen Album.

 „Crack-Up“ von Fleet Foxes erscheint am 16.06.2017 bei Nonesuch / Warner.

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