Ron Sexsmith: The Last Rider – Album Review

Ron Sexsmith: The Last Rider – Album Review

Die Unantastbarkeit des Songwriters Ron Sexsmith

Nach Eintragungen in den Verkaufscharts muss man beim Namen Ron Sexsmith leider immer noch mit der Lupe suchen. Als Kritiker stellt man sich immer die Frage, weshalb begnadete Songschreiber wie Sexsmith auch nach so vielen Jahren nur die hintersten Chartplatzierungen einnehmen, wenn denn überhaupt. Bereits Sexsmiths Alben Blue Boy, Cobblestone Runway, Retriever und zuletzt „Long Player Late Bloomer“ sowie Carousel One hätten die Top-20, ach was, die Top-10 in den USA, UK, Deutschland und vielen Ländern mehr erreichen müssen. Natürlich gehört Ron Sexsmiths neues Album The Last Rider ebenfalls in vordere Bereiche der Verkaufslisten. Nähme man jedenfalls die musikalische Qualität als Maßstab. Die war schon immer hoch beim 53-jähirgen, kanadischen Songwriter und bei jeder neuen Platte hat man das Gefühl, der in Toronto lebende Sexsmith mache seine Sache noch eine Spur besser.

Mag diesmal an der veränderten Herangehensweise Sexsmiths gelegen haben, der The Last Rider mit seiner Live-Band in gemeinsamen Sessions aufnahm. So entstanden 15 Songs von zumeist radiokompatiblen drei bis vier Minuten Lauflänge und mithin zeitloser Schönheit. Gitarrist Kevin Lacroix, Bassist Jason Mercer, Keyboarder Dave Matheson und Schlagzeuger Don Kerr finden vom nachdenklichen Opener „It Won’t Last For Long“ bis hin zum getragenen Closer „Man At The Gate (1913)“ das richtige Gespür für Sexsmiths harmoniebedürftige Melodien. Wie üblich bei den Ron Sexsmith-Platten breitet sich von der ersten Sekunde an ein grenzenloses Wohlgefühl aus, das im fantastischen „Who We Are Right Now“ kulminiert. Mehr Wärme kann ein Songwriter mit diesem im Westküsten-Songwriter-Pop der Seventies verhafteten Stück nicht erzeugen. Pure Romantik zwischen Burt Bacharach, den Carpenters, Gilbert O’Sullivan und Paul McCartney.

In romantischer Anmut schwelgen selbstverständlich alle anderen Songs auf The Last Rider ebenfalls. „Breakfest Ethereal“ schwärmt dabei im Sixties-Sunshine-Pop und erfährt ein verhältnismäßig radikales und lautes Ende, während “West Gwillimbury“ zum heimlich Hit des Albums avanciert, lässiger Songwriter-Pop mit countryeskem Einschlag und Ohrwurmgarantie. Und so geht es Schlag auf Schlag im liebreizenden Songreigen des Ron Sexsmith. Ein tieftrauriges „Shoreline“, ein flottes, aber sehnsüchtiges „Evergreen“, ein melancholisches „Only Trouble Is“ und mit der Uptempo-Nummer „Radio“ will Sexsmith genau dort hin, on air. Verdient hätte er es ja. Mit The Last Rider zeigt Ron Sexsmith einmal mehr seine längst erreichte Unantastbarkeit als Songwriter sowie die grenzenlose Eleganz der Popmusik.

„The Last Rider“ von Ron Sexsmith erscheint am 21.04.2017 bei Cooking Vinyl / Sony Music.

 

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