Kendrick Lamar: Damn. – Album Review

Kendrick Lamar: Damn. – Album Review

The Next Level

Der Druck war hoch. Fast schon unmenschlich hoch. Kendrick Lamar kann nicht einfach seine neuen Songs veröffentlichen. Von ihm wird erwartet, damit dem in diversen Sackgassen orientierungslos herumirrenden Genre Hip Hop frisches Leben einzuhauchen. „Damn.“, sein viertes Album, meistert diese Herkulesaufgabe mit Leichtigkeit. „Damn.“ ist der erhoffte Wegweiser. Ein Meilenstein. Ein Gigant von einem Album. Schon die Vorab-Auskopplung „Humble“ – die am häufigsten gestreamte Single eines Hip Hop-Künstlers seit sieben Jahren – hat die Messlatte enorm hoch gelegt. Die übrigen zwölf Songs auf „Damn.“ stehen ihr in nichts nach.

Das Besondere: Lamar schafft ein komplett eigenes, so noch nie gehörtes Klanguniversum. Er kombiniert Elemente aus Jazz, Soul, Funk, Rock, Electro und Hip Hop und treibt mit seiner Rezeptur alles auf ein neues Level, in dem Genregrenzen verwischen und Barrieren keinerlei Rolle mehr spielen. „Damn.“ ist kein klassisches Konzeptalbum, funktioniert in seiner Running Order aber besonders gut. Zu den absoluten Highlights zählen das elegische „Pride“, das anprangernde „XXX“ mit den Gaststars U2 sowie das mit einem tonnenschweren Beat ausgestattete „Loyalty“, featuring Rihanna. Und wer wissen will, warum ausgerechnet Lamars Skills als Rapper so gefeiert werden, der sollte sich „Feel“ anhören. Seine Wortgewalt, sein Stil und seine Technik sind hier besonders beeindruckend.

Ein weiteres Geheimnis für die Kraft dieser Platte ist der Ansatz, jeden Song von jemand anders produzieren zu lassen. Die Liste der an diesem Album beteiligten Soundmaster umfasst unter anderem Anthony „Top Dawg“ Tiffith, Dr. Dre, 9th Wonder, BadBadNotGood, Ricci Riera und Teddy Walton. Und so passt alles. Kendrick Lamar hat mit „Damn.“ nicht nur dem immensen Druck standgehalten. Er hat weitere Türen geöffnet und Wege aufgezeigt, wie Musik auch in Zukunft innovativ, mutig und relevant sein kann. Sein Ansatz: Analog und digital, traditionell und futuristisch, unbequem und kuschelig. Und vor allem inhaltsgetrieben. Ein ganz großer Wurf.

„Damn.“ von Kendrick Lamar ist am 14.04.2017 bei Universal Music erschienen.

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