Bob Dylan live in Hamburg 2017 – Konzertreview

Bob Dylan live in Hamburg 2017 – Konzertreview

Bob Dylan in Gala-Form

Fast 76, Literaturnobelpreisträger, Triple-Album und noch immer keine Starallüren. Bob Dylan ist hochkonzentriert bei seinem Konzert in der Hamburger Barclaycard-Arena am 11.04.2017. Nur wenige Minuten nach 20 Uhr gehen die Lichter aus und während zahlreiche Besucher noch auf ihre Plätze gewiesen werden, beginnt Dylan mit einer dramatischen Version von „Things Have Changed“. In den folgenden 105 Minuten lässt er Gitarre und Mundharmonika links liegen, nur Piano und Gesang stehen im Vordergrund. Unterstützt von der langjährigen Tourband mit Tony Garnier am Bass, den Gitarristen Charlie Sexton, Stu Kimball und Donnie Herron sowie Schlagzeuger George Receli, ist von Beginn an alles im Fluss.

„To Ramona“ schunkelt noch gemütlich vor sich hin, aber „Highway 61 Revisited“ hat den Roll, der begeistert. Es gab sicherlich bereits angriffsfreudigere Varianten dieses über 50 Jahre alten Klassikers, aber die 2017-Version verfügt über den endgültigen Coolness-Faktor. Bob Dylan zeigt sich stimmlich voll auf der Höhe, kein unnötiges Nuscheln und hin und wieder das gewohnte, bräsige und tiefe Krächzen. Aufgekratzt das bluesige „Beyond Here Lies Nothin‘“ und natürlich wirkt das fiese „Pay In Blood“ zwischen den melancholisch-schönen Crooner-Stücken „I Could Have Told You und „Melancholy Mood“ etwas deplatziert, vor oder nach „Love Sick“ wäre der geniale Tempest-Song dramaturgisch besser aufgehoben, hinterlässt aber auch an dieser Position der Setlist einen überragenden Eindruck.

Nach dem fingerschnippenden Swing von „Duquesne Whistle“ folgt mit dem todschönen  „Love Sick“ das nächste Konzerthighlight. Für „Tangled Up In Blue“ ist Dylan sehr schnell mit dem Text bei der Hand, die Band eigentlich noch gar nicht so weit, doch macht er diese Unaufmerksamkeit später mit einer Pianoeinlage wieder wett. Fiese Gitarrenlicks beherrschen das bluesinfizierte „Early Roman Kings“, bevor „Spirit On The Water“ vergleichsweise leicht an Spannkraft verliert und das gespenstische „Scarlet Town“ zu einem erneuten Höhenflug an diesem Abend abhebt. Zwar schmachtet Bob Dylan gar herrlich in „All Or Nothing At All“, doch ist alles nur Vorgeplänkel für das meisterliche „Desolation Row“, die schönste Version seit der MTV-Unplugged-Aufnahme Mitte der 90er.

Erwartungsgemäß kann das anschließende, souveräne „Soon After Midnight“ nicht ganz mithalten. „That Old Black Magic“ swingt behände, die Spoken Word-Performance bei „Long And Wasted Years“ hat Stil und Klasse und das todtraurige „Autumn Leaves“, bei dem Dylan stimmlich teilweise in die Leonard Cohen-Sphären hinabsteigt, beendet das reguläre Set. Als erste Zugabe präsentieren uns Dylan und seine Band ein ansprechendes „Blowin‘ In The Wind“ mit Donnie Herron an der Geige. Schwierig, nach so langer Zeit und dem enormen Bekanntheitsgrad jenes All-Time-Favourites vieler Fans, noch neue Impulse für diesen Song zu finden, Dylan macht das alles jedoch sehr routiniert. „Ballad Of A Thin Man“ erklang 2011 im Hamburger Stadtpark schon mal gefährlicher, die aktuelle Ausgabe eines seiner besten Songs überhaupt kommt der damaligen Fassung jedoch sehr nahe. Bob Dylan also in einer ganz starken Form, einer Form, die hoffentlich noch ein paar Jahre anhält.

(Beitragsbild: Karsten Jahnke GmbH)

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