Conor Oberst: Salutations – Album Review

Conor Oberst: Salutations – Album Review

Conor Oberst wieder in Bestform, jetzt bandverstärkt auf Salutations

Zuerst eine Schreibblockade und dann das. Innerhalb kürzester Zeit zauberte Conor Oberst mit dem im letzten Jahr erschienenen Ruminations eines der grandiosesten Alben in seiner zwei Dekaden währenden Karriere. Die auf Piano, Akustikgitarre, Mundharmonika und Gesang skelettierten zehn Songs konnten es in ihrer Intensität mit Obersts Glanzleistungen zu Bright Eyes-Zeiten aufnehmen, das Genie des 37-jährigen war zurückgekehrt. Nur ein halbes Jahr nach Ruminations lässt der Mann, der die Stadt Omaha in Nebraska auf die Musiklandkarte setzte, mit Salutations das nächste Highlight folgen. Conor Oberst nahm für Salutations das komplette Ruminations-Album und  zusätzlich noch sieben weitere Songs neu auf.

Diesmal mit Bandbesetzung und dementsprechend opulenter arrangiert als auf Ruminations. Dass sich Oberst hierfür die Felice Brothers James und Ian sowie Session-Drummer-Gott Jim Keltner und weitere Gäste wie Maria Taylor, Jim James und Jonathan Wilson ins Studio holte, war ein kluger Schachzug. Salutations klingt wie eine moderne Version der Basement Tapes Bob Dylans und The Band. Nicht so urig und dreckig, aber immer wieder ähnlich windschief, dafür sorgen die Felice Brothers ganz allein. Windschief und trotzdem harmonisch wie in „Overdue“, charmant stolpernd im Opener „Too Late To Fixate“, in Feierlaune bei „Afterthought“ und nachdenklich in „Next Of Kin“.

Die Ruminations-Stücke tauchen auf Salutations in neuer Reihenfolge auf, Violinen, Akkordeon und Orgel sorgen für den Americana-Folk-Rock-Überbau und im wilden „Napalm“ ist Oberst dem Dylan zwischen Highway 61 Revisited und Basement Tapes so nah wie nie. Seine Neuinterpretationen von „Till St. Dyphna Kicks Us Out“ und „Tachycardia“ sind ein wahrer Genuss, „Anytime Soon“ rockt im Sinne Jonathan Wilsons, während  „The Rain Follows The Plow“  und „You All Loved Him Once“ zu Tränen rühren. Conor Oberst also wieder in Bestform, solo auf Ruminations und bandverstärkt auf Salutations. Bitte dieses Level zukünftig halten.

„Salutations“ von Conor Oberst ist am 17.03.2017 bei Nonsuch Records / Warner Music erschienen.

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