Emilys Giant: The Golden Ticket Session – Album Review

Emilys Giant: The Golden Ticket Session – Album Review

Minimalistischer und melancholischer Folk-Sound von Emilys Giant

Alternative deutsche Musik bewegt sich im Moment entweder im Ost-Punk-Rock Milieu à la Milliarden und Isolation Berlin oder surft auf der neuen Indie-Welle mit Bands wie Razz, Giant Rooks und AnnenMayKantereit. Emilys Giant aus Leipzig unterlaufen beide Kategorien und das liegt nicht nur daran, dass Robert Groos-Albouts und Jörg Blumenstein aus ihrer Sturm- und Drangzeit raus sind. Ihre musikalische Stilrichtung zeichnet sich durch einen melancholischen Folk-Sound aus, der durch Geigenarrangements unterstützt wird und an Vorbilder, wie z.B. die aus Düsseldorf stammende Band Honig erinnert. Mit ihrer

Band Emilys Giant sind die beiden Herren seit 2014 vor allem durch unzählige Live Auftritte bekannt geworden, haben aber weder Booking Agentur noch Label und ihr zweites Album „Live Recordings“ von 2015 somit auch durch Crowdfunding finanziert. Da Crowdfunding bekanntlich auch ein guter Gradmesser für das Interesse des Publikums ist, kommt mit „The Golden Ticket Session“ nun auch schon ihr drittes Werk auf den deutschen Musikmarkt. Und auch das ist wieder ein Live-Album geworden, denn die beiden Musiker nahmen die acht Songs der Platte im Wood & Mind Studio Leipzig auf und sind damit Teil einer Reihe, die Künstler in authentischen Setups zeigen soll.

Live-Aufnahmen, die für so machen Musiker ein echter Gräuel sind, stellen für Emilys Giant kein Problem dar und so klingt das Album dann auch dementsprechend hochwertig. „The Golden Ticket Session“ inszeniert authentischen Singer-Songwriter-Sound, mit eindringlicher Stimme vorgetragen, der sich trotz der aus dem Folk entlehnten Stilelemente eher am Rande der Melancholie bewegt, ohne großen Pathos und Gesten. Dieser Minimalismus wird dann zart gepaart mit umfangreichen Texten, die Geschichten erzählen.

Was gleichwohl angenehm beim Hören der Platte erscheint, klingt aber am Ende dann auch schon ein wenig unspektakulär, denn die Variationen von „The Golden Ticket Session“ sind doch alle sehr gleich gestrickt und manchmal verschwimmen dadurch die Grenzen der Songs. Echte Ohrwürmer sind auf dem Album nicht zu finden und so besteht am Ende auch ein wenig die Gefahr, dass sich das Werk unter den vielen Bands, die immer neu auf den Musikmarkt drängen, etwas verlieren könnte. Trotzdem ist The Golden Ticket Session ein Album, das zeigt, wie vielfältig die deutsche Musikszene in Deutschland ist und vor allem, dass alternative Musik „Made in Germany“ auch leise Zwischentöne finden kann.

„The Golden Ticket Session“ von Emilys Giant erscheint am 17.03. 2017 bei The Golden Ticket Music.

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