Messer live in Hamburg – Konzertreview

Messer live in Hamburg – Konzertreview

Genialer Post-Punk von Messer im Hamburger Molotow

Text und Fotos von Gérard Otremba

In Hamburg ist es bitterkalt. Das Molotow ist mehr als gemütlich voll und auf der Bühne liefert Hendrik Otremba (wohl nicht näher verwandt mit dem Schreiber dieser Zeilen) eine eindringliche Performance ab. Hendrik Otremba ist Sänger der Münsteraner Band Messer, der wohl wichtigsten zeitgenössischen Post-Punk-Band Deutschlands und spielt am 12.11.2016 gemeinsam mit Bassist und Keyboarder Pogo McCartney, Schlagzeuger Philipp Wulf, Percussionist Manuel Chittka und dem neuen Gitarristen Milek das Abschlusskonzert zum aktuellen, in diesem Magazin besprochenen Album Jalousie.

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Otremba ist ein Vollblut-Frontmann, eine Mischung aus Ian Curtis und Dave Gahan im Underground-Rockformat. Im leisen und doch verstörenden Opener „So soll es sein“ hat Die Heiterkeit-Sängerin Stella Sommer, wie auf dem Album auch, einen Gastauftritt. Schnell entwickelt sich das Konzert jedoch zu einem Auftritt der apokalyptischen Reiter, die mit Krach und Getöse vorangaloppieren. Das percussiv angetriebene „Der Mann, der zweimal lebte“ ist da schon im Indie-Rock-Pop zu verorten, während „Detective“ im funky Indie-New Wave pulsiert. Immer wieder schreit und windet sich Hendrik Otremba, zeigt die exzessiv-expressionistische Seite eines Bandsängers.

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Der Post-Punk von Messer trägt zwar eine gewisse Kunst-Attitüde, die beim Molotow-Auftritt jedoch zugunsten eines wütenden Indie-Rock weicht. Radikal und roh der Punk-Rock von „Es gibt etwas“, harte Riffs, hohes Tempo im Garagen-Punk von „Meine Lust“, dazwischen das ewig lange, nervöse, schaurige, monströse „Gassenhauer“, bei dem Otremba in Trance verfällt. Underground-Post-Punk wie er ausdrucksstärker nicht sein könnte. Dominierend schwere Bässe treiben „Angeschossen“ vor sich her, „Die kapieren nicht“ brachial, gewaltig und laut und in „Schwarzer Qualm“ schlägt die Kunstaffinität von Hendrik Otremba und Messer dann doch noch durch.

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Effektvoll und verzerrt „Der Staub zwischen den Planeten“, bevor wir mit der ersten Zugabe gemeinsam den Weg in „Die Hölle“ nehmen, der im New- und Dark  Wave endet. Otremba und seine Band Messer stellen noch „Mutmaßungen über Hendrik“ an und immer wieder bedankt er sich bei den zahlreich erschienen Fans für den „schönen Tour-Abschluss“.  Ganz am Ende noch ein eindringliches „Abel Nema“ und dann geht es nach einem beeindruckenden 80-minütigen Messer-Konzert leider wieder raus in die Kälte Hamburgs.

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