Das Reeperbahnfestival 2016 mit Warhaus, Keøma, Okta Logue und Izzy Bizu – Konzertreview

Das Reeperbahnfestival 2016 mit Warhaus, Keøma, Okta Logue und Izzy Bizu – Konzertreview

Alles da: Elektro-Indie-Pop, Dream-Pop, Psychedelic-Rock und Soul

Text und Fotos von Gérard Otremba

Mit Warhaus aus dem benachbarten Belgien beginnt der dritte Tag des diesjährigen Reeperbahnfestivals für Sounds & Books. Hoch oben im Terrace Hill, im 5. Stock des Bunkers auf St. Pauli, im Herzen Hamburgs. Mit ein paar Minuten Verzögerung beginnt die Band um Sänger Maarten Devoldere, besser bekannt als Mitglied der Indie-Rock-Band Balthazar. Mit der Musik seiner Hauptband hat der Sound von Warhaus nur peripher zu tun. Bei seinem Sidekick setzt Devoldere vermehrt auf düstere und elektronische Klänge, eine Mischung aus Leonard Cohen, Nick Cave und den Einstürzenden Neubauten. Zu Beginn des Gigs noch auf schleichenden Indie-Pop-Pfaden, steigt der Anteil der Effekte und Spielereien im Verlauf des Konzertes zusehends, so dass eine vermeintliche Depri-Stimmung gar nicht erst aufkommt.

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Noch vor Ende des Warhaus-Auftritts geht es weiter zum Nochtspeicher, wo schon Keøma in den Starlöchern stehen. Das Duo Kat Frankie am Bass und Keyboard und Chris Klopfer an Gitarren und Keyboard wird live durch Schlagzeuger Robert Kretschmar erweitert. Durch die Teilnahme am deutschen Vorentscheid zum diesjährigen European Song Contest ist der Name Keøma einem größeren Publikum bekannt gemacht worden. Gewonnen haben sie nicht, aber wahrscheinlich ist ihr Gitarren-Dream-Pop vom selbstbetitelten Debütalbum auch viel zu schön für den ESC. Es bettet sich federweich im melancholisch-sehnsüchtigen Keøma-Klangkosmos. Während des Songs „Adrian“ (übrigens ein Song für den laut Klopfer „sehr schönen“ Schauspieler Adrian Brody) wandert Chris Klopfer durch die Menschenmenge wie sonst Matt Berninger von The National es bei jedem seiner Auftritte tut. Der ESC-Song „Protected“ hebt sphärisch ab, „Prines“ noch bezaubernder als auf Platte und „Streetlights“ vergleichsweise fast schon galoppierender Gitarren-Pop. Im gewaltigen Konzertabschlußsong „Pray“ darf sich dann Drummer Robert Kretschmar am Ende so richtig austoben. An einem neuen Keøma-Album wird fleißig gearbeitet.

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Ihr bereits drittes Album hat die Formation Okta Logue mit Diamonds And Despair im Frühjahr herausgebracht. Beim Konzert im Gruenspan durchpflügt das hessische Quartett mühelos die sechziger und siebziger Jahre, vertieft sich im Psychedelic- und Space-Rock, bedient sich im Britpop, streift den Blues-Rock genauso wie den Stadion- und Classic Rock. Deep Purple, Pink Floyd, Hawkwind, Bad Company, The Kinks und Oasis leben in Okta Logue weiter. Die Orgel von Max Schneider jubiliert, Schlagzeuger Robert Herz haut auf den Putz, sein singender Bruder Benno hält am Bass die Fäden in der Hand und Gitarrist Philip Meloi suhlt sich in seinen Soli. Mächtig, abgehoben, hymnisch, aber auch geerdet und bluesig ist der Sound von Okta Logue. Und hat ganz schön viel Klasse. Starker Auftritt!

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Den legt auch die junge englische Sängerin Izzy Bizu im Mojo-Club hin. Mit ihrer vierköpfigen Herrenband (Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, Bass) im Rücken wird sie mit ihrer hellen und hohen Stimme, ihrem anschmiegsamen Hüftschwung und ihrer Lockenpracht schnell zu Everybody’s Darling. Der lässige, fingerschnippende Soul-Pop trägt natürlich ein weiteres Scherflein zur steigenden Popularität der 21-jährigen Londonerin bei. Die Songs ihres Anfang September veröffentlichten Debütalbums  „A Moment Of Madness“ (Rezension demnächst in diesem Theater) verbinden frühere Genregrößen wie Diana Ross mit den Soul-Revival-Damen Amy Winehouse und Rebecca Ferguson.

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Mit viel sexy Disco-Pop-Appeal findet Izzy Bizu den richtigen Groove, um die Gäste zum Tanzen zu animieren. Einer Pianoballade folgen Reggae-Rhythmen, die die Sehnsucht nach Sommer, Sonne und Strand wecken. Eine schmachtende Blues-Ballade wird von einem strahlenden Disco-Funk-Feuerwerk abgelöst. Das Drama und die große Geste beherrscht Izzy Bizu bereites ebenfalls sehr gut. Sie hinterlässt zwar den Eindruck, der große Publikumszuspruch sei ihr fast ein wenig peinlich, aber das macht sie umso sympathischer. Ein sehr geschmeidiger Auftritt und genau der richtige Abschluss für Tag drei beim Reeperbahnfestival 2016 für Sounds & Books.

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