Das Reeperbahn Festival 2016: Zweiter Tag – Konzertreview

Das Reeperbahn Festival 2016: Zweiter Tag – Konzertreview

Mit Snøffeltøffs, Louise Burns, Thayer Sarrano, Louis Berry und Die Heiterkeit

Text und Fotos von Gérard Otremba

Die erste musikalische Verabredung führt Sounds & Books am zweiten Tag des Reeperbahnfestivals 2016 zunächst zur Spielbude, wo um 19 Uhr das Berliner Trio Snøffeltøffs die Bühne betritt. Lustiger Name, gewiss, und auch lustige Musik. Gitarre, Schlagzeug, Bass und ganz viel Liebe zum Gargen-Pop-Rock der 60er Jahre bringen Snøffeltøffs mit. Dabei klingen sie häufig ähnlich romantisch-verträumt und melancholisch verschlafen wie die frühen The Go-Betweens und immer wieder aufgebracht und unbekümmert wie Violent Femmes. Vom Gitarrenpop bis hin zum Indie-Blues-Punk alles dabei, das bringt Laune und ist ein munterer Aufgalopp für den Reeperbahnfestival-Donnerstag.

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Noch besser wird es nachfolgend im Kukuun. Dort tritt am „Canadian Day“ Louise Burns aus Vancouver mit ihrer Band auf. Die 30-jährige Sängerin und Bassistin überzeugt durch ihre sanfte und verführerische Stimme, die manchmal wie jene von Stevie Nicks in besten Tagen klingt. Die Musik? Perlender Gitarren-Pop mit Dream-Pop- und New Wave-Anklängen bis hin zum melodiösen Indie-Rock mit Country-Einflüssen. Fast alle Songs stammen aus dem neuen, für das nächste Jahr geplanten Album und wirken live schon mal betörend und traumhaft schön. Definitiv eine der bisherigen Entdeckungen des Reeperbahnfestivals 2016. Sounds & Books bleibt bei Louise Burns am Ball. Diesen Namen bitte unbedingt notieren.

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Da kann der anschließende Auftritt von Thayer Sarrano im Grünen Jäger leider nicht ganz mithalten. Die sonst so sehr an Hope Sandoval von Mazzy Star erinnernden Vocals der Sängerin und Gitarristin aus Athens, Georgia, gehen etwas unter, ihr Shoegaze-Rock mit Psychedelic-Gewand (durch Bass und Schlagzeug ins Szene gesetzt) ist okay und solide, haut einen aber an diesem Abend nicht wirklich vom Hocker. Irgendwie fehlt der Zauber, der sprühende Funke.

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Und so geht es weiter zu Louis Berry, der im Angie’s Nightclub auf seinen Gig wartet. Warten muss auch das Publikum, denn der Beginn verzögert sich dann doch um gute zwanzig Minuten, bevor der Liverpooler mit seiner Band endlich ran darf. Entschädigt werden die wartenden Gäste durch eine grandiose Rock’n’Roll-Show, die die ersten Reihen zum sofortigen Tanzen animiert. Louis Berry tritt mit einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein auf, den man wahrscheinlich für die diese wilde, raue und übermütige Variante des Rock’n’Roll (ohne gleich an Motörhead denken zu müssen) benötigt. Alles, was er mit dem unlängst bei Sounds & Books bereits zum Song des Tages erkorenen Track „Nicole“ versprach, löst Berry live auf dem Reeperbahnfestival 2016 ein. Eine weitere großartige Entdeckung.

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Trotz Verspätung bei Louis Berry noch rechtzeitig im Knust zum Auftritt von Die Heiterkeit angekommen. Aber auch hier die Meldung einer Verspätung, gar vierzig Minuten in Verzug ist der Zeitplan hier geraten, so dass die Hamburger Formation um Sängerin und Gitarristin Stella Sommer erst um 0:40 Uhr beginnen kann. Doch auch hier lohnt sich die Wartezeit, denn schließlich wartet man auf die Songs des nicht nur bei Sounds & Books gefeierten Indie-Pop-Wunderwerkes Pop & Tod I+II, das Anfang Juni erschienen ist. Im Gegensatz zum Konzert im Golem ist der Sound im Knust natürlich weitaus effektiver und rückt die Pop-Perlen des neuen Albums in ein noch besseres Licht. Die Heiterkeit beginnt zwar eisig mit „Die Kälte“, Stella Sommers Stimme wie üblich erhaben und unnahbar, die liebreizenden Gitarren-Pop-Tracks folgen jedoch schnell. Songs wie „Im Zwiespalt“, „Pop & Tod“, „Weiße Elster“ und „Dünnes Eis“ besitzen allesamt das Potential, um auf diversen Jahres-Listen aufzutauchen, gewinnen live im Knust gar noch an Liebreiz. Dazu noch die legeren „Betrüge mich gut“, „Panama City“ und „Schlechte Vibes im Universum“ sowie die „alten“ Hits „Alles ist so neu und aufregend“, „Alle Menschen“ und „Heiterkeit“, Herz, was willst du mehr? Die Heiterkeit ist schon lange keine  Entdeckung (aber immer eine wert), immer noch Geheimtipp, aber hoffentlich nicht mehr lange.

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