The Head And The Heart: Signs Of Light – Album Review

The Head And The Heart: Signs Of Light – Album Review

Elegant und mitreißend auch das dritte Album des Folk-Rock-Sextetts

von Gérard Otremba

Bislang scheint die Karriere von The Head And The Heart ähnlich zu verlaufen wie einst die der irischen Kollegen von Hothouse Flowers. Das selbstbetitelte Debütalbum aus dem Jahre 2011 des Sextetts aus Seattle war ein Ausbund an enthusiastischen und euphorischen Neo-Folk-Rock-Songs, der Nachfolger „Let’s Be Still“ klang erwachsener, gereifter, ohne den Überschwang des Debüts zu vernachlässigen. Bei den Hothouse Flowers folgte dann 1993 mit Songs From The Rain der dritte, u.a. von Van Morrison gepriesene Streich, voller graziöser Eleganz. Ein klanglich ähnlich makelloses Werk ist nun auch The Head And The Heart mit Signs Of Light geglückt. Und es ist nicht zu glatt produziert, nur weil es beim großen Major Warner erschienen ist. So ein Label-Wechsel birgt ja immer die Gefahr eines für die Fans verwirrenden Stilwandels, bei The Head And The Heart ist die Sorge unbegründet.

Im „Mainstream“ ist die Band ja bereits mit Let’s Be Still angekommen, wie die Top-Ten-Platzierung in den amerikanischen Albumcharts beweist. Das für THATH so typisch Hymnische und gleichwohl Bodenständige entfaltet sich gleich zu Beginn bei „All We Ever Knew“ zur vollsten Pracht. Ansteckende und himmelhochjauchzende „Lalala“-Chöre und eine weltumarmende Melodie, die das Mitklatschen bei Konzerten vereinfachen wird, dominieren diesen fabulösen Opener. Das begeistert und reißt mit. Mit Charity Rose Thielens Geige kommt ein weiteres wichtiges Erkennungsmerkmal von THATH zum Einsatz, was dem sehnsüchtigen Leadgesang eine tiefgehende Aura verleiht. Vor zwei Jahren, nachdem die THATH vier Jahre ständig auf Tour waren, gönnten sich Jonathan Russell (Gesang, Gitarre), Josiah Johnson (Gesang, Gitarre), Kenny Hensley (Piano), Tyler Williams (Schlagzeug), Chris Zasche (Bass) und Multiinstrumentalistin und Sängerin Charity Rose Thielen ein kleine Auszeit, die ihnen zweifellos gut tat. Das aufgeweckte, vor Lebensfreude nur so sprühende „City Of Angels“ (eine charmante-witzige Liebeserklärung an Los Angeles) klingt wie einem Jungbrunnen entsprungen.

Im Glanz sanfter Grandezza, wie einst die schönsten Fleetwood Mac-Stücke, sonnt sich „False Alarm“, während „Dreamer“ herzzerreißend barmt und sehnt.  „Dreamer“ ein inniger und verspielter Folk-Pop-Song und in „Colors“ demonstrieren The Head And The Heart ihre ganze Klasse, die im eleganten und pathetischen Refrain ihren Höhepunkt findet. Das kurze „Oh My Dear“ versucht sich unverblümt einen Jeff Buckley-Gedächtnispreis einzuheimsen und mündet im rhythmischen und zum Tanz auffordernden „I Don’t Mind“. Der als Piano-Ballade beginnende und sich hochschaukelnde Abschluss- und Titeltrack „Signs Of Light“ dann noch mal die ganz große Geste, die in Erinnerung bleibt. Nach dem dritten Album versanken die Hothouse Flowers damals leider in der Versenkung, das sollte The Head And The Heart eigentlich nicht passieren.

„Signs Of Light“ von The Head And The Heart ist am 09.09.2016 bei Warner Music erschienen.

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