Adam Green: Aladdin – Album Review

Adam Green: Aladdin – Album Review

Die Wunderlampe

von Sebastian Meißner

Adam Green ist jetzt Multimedia-Künstler. „Aladdin“ ist nicht nur sein neues Album, sondern zugleich auch Film und Kunstausstellung. Der Aufhänger ist die klassische Aladdin-Erzählung aus Tausendundeine Nacht, das laut Green wohl kapitalistischste Märchen überhaupt. Green holt die Geschichte ins 21. Jahrhundert. Dabei zeigt sich, dass er den neuen Technologien mit Internet und Tablets mehr als kritisch gegenübersteht. Green singt vom Verlust zwischenmenschlicher Wärme durch den wachsenden Einfluss von Technik auf unser Leben. Von Totalitären Systemen und von Liebe in Zeiten des Internets, von menschlichen Allmachtsphantasien und das trostlose Leben in Videospielen.

Insgesamt drei Jahre lang hat Green an diesem Konzept gefeilt. Die insgesamt 19 Tracks – keiner überschreitet die 3-Minuten-Marke – wurden bereits über die Weihnachtstage 2014 in Los Angeles aufgenommen. Musikalische Unterstützung bekam Green dabei von Warpaint-Schlagzeugerin Stella Mozgawa sowie dem Gitarristen Rodrigo Amarante (Little Joy) und Multiinstrumentalisten Josiah Steinbrick (u.a. Devendra Banhart). Trotz übergeordneten Konzepts verliert sich Adam Green nicht in Überambitionen, sondern bleibt seinem Lo-Budget-Charme treu.

So ist „Aladdin“ auch in jeder Sekunde unverwechselbar und typisch Adam Green. Der New Yorker ist noch immer der betrunkene Alltagsphilosoph, der mit sonorem Bariton Albernheit mit Weisheit paart und sein kompositorisches Talent mit demonstrativer Faulheit nur andeutet statt zu vollenden. Einfach muss es sein. Und brillant. Immer beides gleichzeitig. Der lässige Charme, diese Schalck-im-Nacken-Attitüde kann noch immer begeistern – vor allem in „Fix My Blues“, „Nature Of A Clown“ oder „Life In A Videogame“.

Insgesamt aber bietet das Konzept-Album „Aladdin“ dem Hörer wenig Neues. Und mitunter hat es gar etwas Unbefriedigendes: Ohne Film und Ausstellung wirken viele Songs verloren und alleingelassen. Es ist, als säße man im Kino und dürfe die Augen nicht öffnen. In Kombination mit dem Film, in dem echte Schauspieler in einer Pappmaché-Kulisse auftreten, dürfte diese Platte ihre volle Wirkung entfalten. Ohne diese Ebene jedoch läuft „Aladdin“ zu oft ins Leere.

„Aladdin“ von Adam Green erscheint am 29.04. bei R.D.S. /Rough Trade.

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