Bernd Begemann & Die Befreiung: Eine kurze Liste mit Forderungen – Album Review

Bernd Begemann & Die Befreiung: Eine kurze Liste mit Forderungen – Album Review

Ein abwechslungs- und ideenreiches neues Album des Hamburger Songwriters

von Gérard Otremba

Nach vier Jahren meldet sich Bernd Begemann zurück. Mit seiner Begleitband Die Befreiung, bestehend aus Kai Dorenkamp an den Tasteninstrumenten, Ben Schadow am Bass und Achim Erz am Schlagzeug, spielte der Hamburger Songwriter gleich 28 Songs für Eine kurze Liste mit Forderungen ein. Darüber hinaus waren so illustre Gäste wie Sven Kacirek an den Percussion, Stoppok (Mundharmonika, Banjo, Waldzither, Baritongitarre), Paul Pötsch (Trümmer), Dirk Darmstaedter, Regy Clasen, Thomas Kosinar, Frank Schmiechen, Roland Wolff, Carsten Friedrich (Superpunk, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen), oder Milo Milone (Rhonda) und die Songwriterinnen Dorit Jakobs und Johanna Zeul (alle Chor, Gesang) an der Entstehung des Albums beteiligt. Mit besagten 28 Songs und 80 Minuten Laufzeit bietet uns Bernd Begemann ein opulentes wie abwechslungsreiches und lebendiges Album an.

Fast alle Tracks sind live im Studio aufgenommen worden, was den Aufnahmen die Aura der Authentizität, mehr Dynamik und eine gewisse Freiheit und Leichtigkeit verleiht. Bernd Begemann & Die Befreiung geben sich auf Eine kurze Liste mit Forderungen manchmal dem ungestümen, angriffslustigen Rock’n’Roll hin („Ich habe meinen Frieden gemacht“, „Sie hat Regeln“, „Die Reichen haben gewonnen“), überzeugen mit einem lässigen und nonchalanten Songwriter-Pop-Charme („Das klappt grad nicht mit dem Fahrrad“, „Die stählernen Stufen herab“), oder verfallen der Grandezza des eleganten Pop („Am Ende des Tages“, „Neulich auf der Orgie“). Immer wieder beweist Begemann sein Händchen für filigrane und große Popmelodien („“Sie fuhr einen lila Twingo“, „Liebling, wir haben größere Probleme als uns“), und fast überall sind die kongenialen Chorgesänge (ganz und gar überwältigend beim dylanesken und sehr humorigen „Unoptimiert“) zu goutieren.

Große Klasse auch der legere Soul in „St. Pauli hat uns ausgespuckt“, ein bitterer Abgesang des Hamburger Songwriters auf den berühmten Stadtteil, in dem Begemann selbst einige Jahre lebte, und ein wichtiger Schlüsselsong dieser Platte. Ähnlich bedeutungsvoll für Hamburg ist „Komm zurück, Olli Schulz“, wo Bernd Begemann Olli Schulz, der wie einige andere, schmerzlich vermisste Musiker einst die Hansestadt gen Berlin verließ, zur Rückkehr auffordert. Bernd Begemann überzeugt auf Eine kurze Liste mit Forderungen außerdem mit sehr viel Witz und textlich klug verpackten und pointierten Beobachtungen und kurzen Geschichten („Die besoffene Fahrerin“). Er kann sich auch in die Nähe des Schlagerhaften („Bist du da in der Dunkelheit“) begeben, ohne dass man gleich an die ZDF-Hitparade oder Helene Fischer denken muss. Und so ein klein wenig Kitsch darf schon sein, wenn es so schön smoothie gesungen wird wie von Bernd Begemann. Eine kurze Liste mit Forderungen von Bernd Begemann & Die Befreiung ist ein kurzweiliges, unterhaltsames und voller Ideen steckendes Album.

„Eine kurze Liste mit Forderungen“ von Bernd Begemann & Die Befreiung erscheint am 18.12.2015 bei popup-records.

 

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.