10 Jahre OMAHA records – Festivalreview

10 Jahre OMAHA records – Festivalreview

Zum zehnjährigen Bestehen des Künstlerkollektivs OMAHA records spielten diverse Musiker auf der Geburtstagsgala am 20.11.2015 im Molotow

Text und Fotos von Gérard Otremba

Im Jahre 2005 gründete Gisbert zu Knyphausen OMAHA records, das sich als Künstlerkollektiv versteht und Independent-Musiker aus ganz Deutschland unterstützt. Anlässlich des zehnten Geburtstages organisierte OMAHA-Chef Christoph Kohlhöfer eine Geburtstagsfeier mit viel Live-Musik, die den künstlerischen Anspruch und gleichzeitig eine individuelle Bandbreite von OMAHA records widerspiegelt.

Daniel Decker

Den Anfang macht der Berliner Songwriter Daniel Decker, der zwar nicht bei OMAHA veröffentlicht, aber mit Labelfreunden musizierte und als Special Guest auftritt. Er sei zwar ein wenig nervös, verrät er dem Publikum in der kuschelig gefüllten Skybar des Molotow, schließlich liege sein letztes Hamburg-Konzert gut drei Jahre zurück und die Musik habe in den letzten fünf Jahren ein eher untergeordnete Rolle in seinem Leben gespielt. Das sollte sich bitte wieder ändern, denn mit seinem ganz hervorragenden neuen Album Weißer Wal ist Daniel Decker dieses Jahr ein außergewöhnliches Comeback gelungen. Sowohl Songs von dieser Platte, als auch ältere Lieder seiner damaligen Band Pawnshop Orchestra stehen auf seiner Setlist. Meistens allein mit der E-Gitarre vortragend, manchmal mit Bandunterstützung vom MP3-Player, zeigen Songs wie „Diese Stadt ist ein Scheißdreck“, „Wir werden uns rächen“ oder „Helden für einen Tag“ auch live die Songwriter-Qualität von Daniel Decker.

Daniel Decker omaha 2015

Verus

Im Anschluss verdoppelt sich die Anzahl der Musiker auf der Bühne, denn das Kieler Duo Verus steht für seinen Auftritt bereit. Sänger und Gitarrist Peter Schumacher sowie Lars Austen an Bass und Synthesizer präsentieren einen dynamischen Elektro-Indie-Pop, der zwischen tanzbaren Bloc Party-Rhythmen, fetten Synthie-Beats, frühe Neue Deutsche Welle und Gitarren-Pop changiert. Und ob der Arbeitstitel des Songs „Am Ufer entlang“ so in die Tat umgesetzt wird, können alle Interessierte im nächsten Jahr auf dem dann wohl erscheinenden neuen Album nachhören.

Verus omaha 2015

Staring Girl

Mit der Musik der Hamburger Formation Staring Girl atmet die Skybar des Molotow dann den Geist des OMAHA-Gründers Gisbert zu Knyphausen. Dessen Begleitmusiker unterstützen Frontmann Steffen Nibbe beim ersten gemeinsamen Konzert und entwickeln einen formidablen Americana-Flow mit Folk-Rock-Harmonien, Country-Roll und Psychedelia-Pop. Hier finden sich nicht nur Freunde der Musik Gisbert zu Knyphausens wieder, sondern auch jene, die die Erinnerung an den unvergessenen Nils Koppruch und seiner einstigen Band Fink in Ehren halten. Mögen Staring Girl die Lücke füllen, die Kid Kopphausen hinterlassen haben. Es sieht gut aus.

Staring Girl omaha 2015

van Kraut

Mit dem Debütalbum Strahlen hat die Hamburger Band van Kraut an dieser Stelle schon mächtig Eindruck hinterlassen. Das Quartett um Sänger und Gitarrist Christoph Kohlhöfer rockt während ihres halbstündigen Gigs ordentlich das Haus, hier fusionieren Indie-Rock und klassisches Singer-Songwriting gar wunderprächtig, von Kohlhöfers sanft-melancholischer Stimme geprägt. Poetische, nachdenkliche Texte im prägnanten Indie-Pop-Rock-Gewand, Songs wie „Abgetragen“, „Ich bin so weit“, „Schwebend nebenher“ oder „Keine Spucke mehr“ sind beste Beweise für melancholisch-geheimnisvollen Indie-Rock mit Tiefgang.

van Kraut omaha 2015

Nicolas Sturm

Der Abschluss des OMAHA records Geburtstagsfestivals ist dann Nicolas Sturm vorbehalten. Der in Stuttgart geborene Sänger und Gitarrist wird nach einjähriger Bühnenabstinenz von Schlagzeug und Bass begleitet und bringt diverse neue Songs aus einem aller Wahrscheinlichkeit nach im Sommer 2016 erscheinenden neuen Album mit. Mit diesen Stücken verabschiedet sich Nicolas Sturm ein wenig von der Rolle des hier beschriebenen „Kronprinzen“ für Gisbert zu Knyphausen. Mehr Pop, gleichzeitig aber auch mehr Punk bieten die neuen Lieder, schmissiger Garagen-Rock und lieblicher Indie-Gitarren-Pop stehen dicht nebeneinander. Der Auftritt im Molotow lässt einen jedenfalls verzückt und in der Erwartung eines neuen Nicolas Sturm-Highlights im nächsten Jahr zurück. Und OMAHA records kann man nur zurufen: Danke für die Musik und auf die nächsten zehn Jahre!

Nicolas Sturm omaha 2015

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