Bob Dylan: The Bootleg Series Vol. 12 – The Best Of The Cutting Edge 1965-1966 – Album Review

Bob Dylan: The Bootleg Series Vol. 12 – The Best Of The Cutting Edge 1965-1966 – Album Review

Bob Dylans kreativste Schaffensperiode

von Gérard Otremba

Seit 1991, als The Bootleg Series Vol. 1-3 veröffentlicht worden sind, müssen sich Bob Dylan-Anhänger wie im Goldrausch fühlen. Jedenfalls immer, wenn eine neue Ausgabe dieser vortrefflichen Reihe auf dem Markt erscheint, die uns in der ersten Folge damals mit „Series Of Dreams“ den besten Dylan-Song seit 1975 bescherte und in der zehnten Edition sogar die sonst mediokre Self Portrait- und New Morning-Phase plötzlich gar glänzend im neuen Licht erstrahlen ließ. Zu den weiteren Highlights der Bootleg-Series gehörte zweifellos noch Vol.11 (The Basement Tapes) und selbstverständlich das berühmte, sogenannte „Royal Albert Hall“-Konzert, das 1998 endlich ganz regulär beim Plattenhändler Ihres Vertrauens zu erwerben war.

In diese prägnante und kreativste Zeit Bob Dylans stößt nun auch Vol. 12, The Best Of The Cutting Edge 1965-1966 vor. Drei überragende Meisterwerke haute Bob Dylan innerhalb von nur vierzehn Monaten raus, seine Veränderung vom Folkie zum Rockstar im Jahre 1965 ist Legende. Bringing It All Back Home (in Europa als Subterranean Homesick Blues bekannt), Highway 61 Revisited und Blonde On Blonde sind Monolithe moderner Rock-Kunst, visionär und revolutionär wie kaum andere Musiker veränderte Dylan die Rock-Pop-Welt in jenen Jahren und beherrschte das goldene Jahrzehnt des Rock zusammen mit den Beatles und den Stones nach Belieben.

Mit „Like A Rolling Stone“ nahm Bob Dylan den besten Rocksong alle Zeiten auf, der auf der Best-Of-Doppel-CD von The Cutting Edge zweimal vertreten ist, in einer edlen Schunkel- sowie einer lässig galoppierenden Version, beide überaus reizvoll. Wie auf den Original-Alben überschlagen sich die Ereignisse auch auf dieser Sammlung von Outtakes und alternativen Versionen. Die Klasse dieser Songs ist so allumfassend, dass das Stadium ihrer Aufnahme kaum eine Rolle spielt. So labt man sich durch die auf akustische Gitarre, Bass und Mundharmonika reduzierte Version von „Love Minus Zero / No Limit“, goutiert die Piano-Fassung von „I’ll Keep It With Mine“, bekommt von der akustischen Variante von „Bob Dylan’s 115th Dream“ nicht genug, lässt sich ein wildes „Outlaw Blues“ um die Ohren fegen, verliebt sich neu in „Farewell, Angelina“, erfreut sich des turbulenten Überschwangs bei „If You Gotta Go, Go Now“, lächelt in sich hinein während des bandbegleitenden „Mr. Tambourine Man“, lernt den Furor von „It Take A Lot To Laugh, It Take A Train To Cry“ neu schätzen, wird an Volume 1-3 mit dem diabolischen „Sitting On A Barbed Wire Fence“ erinnert und „Desolation Row“ strahlt auch als alternativer Take wie ein ganzer Sternenhimmel.

„Positively 4th Street“ ist wie immer ein Hochgenuss, obwohl Dylan im hier vorliegenden Take 5 vom 29.07.1965 gar nicht so böse singt. Ein denkwürdiges Erlebnis und absoluter Höhepunkt der Doppel-CD, das von The Band befeuerte „Visions Of Johanna“. Und so lässt sich über alle Fundstücke auf The Best Of The Cutting Edge 1965-1966 nur Gutes berichten. Eine herausragende Gesamtleistung, die Bob Dylan mit seinen Musikern (ganz wichtig Al Kooper an der Orgel) bei diesen Aufnahmesessions ablieferte. Songs für die Ewigkeit, der beste und genialste Studio-Bob Dylan aller Zeiten. Den gibt es als Doppel-CD sowie in der Deluxe-Edition mit 6 CDs. Die Box mit den 18 CDs ist auf 5000 Exemplare beschränkt und nur online über die Website http://cuttingedge.bobdylan.com/ erhältlich.

„The Bootleg Series Vol. 12 – The Best Of Cutting Edge 1965-1966“ ist am 06.11.2015 bei Columbia Records / Sony Music erschienen.

 

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