Jürgen Bauer: Was wir fürchten – Roman

Jürgen Bauer: Was wir fürchten – Roman

Der österreichische Schriftsteller schaut tief und spektakulär in die Abgründe der Paranoia

von Gérard Otremba

Paranoia, Angstzustände aller Art, Verfolgungswahn, Wirklichkeit und Wahnsinn. Der österreichische Autor Jürgen Bauer greift in seinem zweiten Roman Was wir fürchten bedrohliche Themen auf. Und nach dem Lesen des Romans stellt man sich selbst die Frage, wo die Grenzen zwischen Normalität und Krankheit liegen. Was wir fürchten lässt einen irritiert, durcheinander und völlig fasziniert zurück. Es ist wie nach der Lektüre der New York-Trilogie von Paul Auster und Der junge Mann von Botho Strauß sowie dem Schauen diverser Alfred Hitchcock-Filme. Und das alles hintereinander weg. Für ganz Zartbesaitete ist der Roman nichts, aber er lässt einen einfach nicht los. Der 33-jährige Jürgen Bauer erzählt uns die Geschichte von Georg. Vielmehr erzählt dieser seine Lebensgeschichte einem eingeladenen Gast, dessen Identität und Rolle in Georgs Leben erst peu à peu gelüftet wird. Mit einem psychisch kranken Vater aufgewachsen, lernt Georg von Beginn an das abnorme Leben kennen. Gefangen zwischen dem abseitigen Verhalten seines Vaters und der Angst der Mutter, ihren Sohn ebenfalls an den Wahnsinn zu verlieren, blühen Selbstzweifel in Georg auf und mit pathologischer Besessenheit stürzt er sich auf medizinische Krankheitsbilder.

„Damals kannte ich nur meine seltsamen Phobien und als einzige Konstante die Angst, die Menschen in meiner Umgebung könnten sich als etwas anderes herausstellen, als ich mit meinen Augen sah, könnten ein schockierendes und verletzendes zweites Gesicht verbergen, ein verheimlichtes Wesen hinter der Maske ihrer Gesichter.“

Ärzte und Medikamente sind dir Folge, doch nach einer etwas ruhigeren Zeit bricht Georgs Paranoia während seiner Ehejahre vehement wieder auf. Seine Verfolgungsangst wird immer ausgeprägter, zu oft gehörte Sätze, wie „Du bist ja paranoid. Halt einfach den Mund“ oder „Das ist alles nur in deinem Kopf“ werden zu Georgs innerem Mantra und verursachen eine Flucht in eine zweijährige Isolation, fernab von allen ihm bekannten Menschen. Der Wahn jedoch geht nach seiner Rückkehr weiter. Oder bildet sich Georg am Ende vielleicht doch vieles nur ein? Geschickt verwebt der in Wien lebende Jürgen Bauer die Realitäts- und Vorstellungsebenen (manchmal scheint nicht immer alles so zu sein, wie man denkt) und sieht in seinem Roman Was wir fürchten in die Abgründe der menschlichen Psyche. Ein stilistisch einwandfreier, zwischen moderner und klassischer Erzählkunst changierender, jederzeit fesselnder Roman.

Jürgen Bauer: „Was wir fürchten“, Septime Verlag, Hardcover, 978-3-902711-38-0, 21,90 €.

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