Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen live in Hamburg – Konzertreview

Ein mitreißendes Liga-Konzert im Hafenklang

von Gérard Otremba, Beitragsfoto von Martin Morris

Im ausverkauften Hafenklang beendet Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen am 31.05.2014 mit einem Heimspiel den Mai-Teil ihrer Tour zum aktuellen Album Alle Ampeln auf Gelb!. Nachdem die Hamburger Band Monoklub das Publikum mit einer Mischung aus Beat, Punk und Rock’n’Roll, einer Mixtur aus The Who, Mando Diao, Oasis und frühe Hamburger Schule ordentlich auf die Liga anstimmte, betreten Sänger und Gitarrist Carsten Friedrichs, Bassist Tim Jürgens, Keyboarder Gunther Buskies, Gitarrist und Saxophonist Philip Morton Andernach sowie Schlagzeuger Zwanie Jonson die Hafenklang-Bühne und legen mit „Der fünfte Four Top“ los, eine tanzbare Motown-Hommage vom DLDGG-Albumdebüt Jeder auf Erden ist wunderschön.

Die Hymnen von Alle Ampeln auf Gelb!

Mit dem Titelsong des Anfang Mai bei Tapete Records erschienenen Nachfolgewerks geht es weiter. Hymnisch, ausgelassen und mitschreikompatibel wird der Hamburger Graffiti-Künstler Peter-Ernst Eiffe abgefeiert, der im Jahre 1968 damit begann, Hamburg mit Parolen zu „verschönern“ und von dem auch der Titel gebende Spruch „Alle Ampeln auf Gelb!“ stammt. In dem gut 90 minütigen Auftritt der Liga wechseln sich Songs der beiden Alben genussvoll ab. Die Stücke des Debüts gewinnen live an Kontur und Intensität, während die neuen Songs von Alle Ampeln auf Gelb! auch beim Hafenklang-Konzert genau den Hymnen-Charakter ausleben, den sie schon auf Platte innehaben. Der Disco-Groove von „Rock Pop National“ steckt einen sofort an, man möchte die Nacht im Repeat-Modus zu diesem Song durchtanzen. Bei einem Konzert jedoch eher unwahrscheinlich und so tanzen die Hamburger weiter mit dem witzigen „Das Unglück bin ich“, zum Ska von „The Out-Crowd“, der „Mischung aus Ramones und Searchers“, wie Carsten Friedrichs „Meine Kicks krieg ich von dir“ ankündigt und dem liebevollen Understatement von „Der Amateur“.

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen und der Fußball

Fußball ist ein wichtiges Thema bei der Liga der gewöhnlichen Gentlemen, teilt sich die Band doch in FC St. Pauli– und HSV-Anhänger auf und so verwundert es nicht, dass „Nimm mich mit zum Spiel“, das als Fußball-Song des Jahres 2012 ausgezeichnete „Die Gentlemen Spieler“ und „Nach dem Spiel“ zum Live-Repertoire der Band gehören. Bei so vielen Tanzeinladungen bringt die ruhige, wunderschöne und wirkungsvolle Ballade „Begrabt mich bei Planten un Blomen“ eine willkommene Abwechslung, eine grandiose Liebeserklärung an die Hamburger Parkanlage und an die schönste Stadt der Welt. Mit der unerhört eingängigen Partylaune von „Kennst du Werner Enke?“, der als Schauspieler in Filmen wie „Zur Sache, Schätzchen“ und „Nicht fummeln, Liebling“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte, biegt die Liga auf die Zielgerade ein. Mit „Jeder auf Erden ist wunderschön“, dem schönsten Song des Debüts, erreichen sie diese und spielen mit „Das waren Mods“ und „Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen“ zwei Superpunk-Klassiker als erste Zugaben. Letztere in einer atemlosen, rasanten Rock’n‘Roll-Fassung, Carsten Friedrichs schreit den Text mit einer inbrünstigen Vehemenz heraus, ein großes Fest. Der Midtempo-Schunkler „Alleine auf Partys“ beendet das Konzert, das den Ruf der Liga als eine legere, nonchalante, witzige und intelligente Band, die Northern Soul, Pop, Beat und Rock’n’Roll perfekt kombiniert, weiter untermauert. Es folgt eine verdiente WM-Pause, bevor Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen im September und Oktober wieder auf Tour geht. Unbedingt hingehen!

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