Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Offenbarung

Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Offenbarung

Neue, überaus witzige Känguru-Geschichten von Marc-Uwe Kling

von Gérard Otremba

Man muss es gehört haben. Obwohl ich sonst mangels Konzentrationsvermögen Hörbücher zumeist meide und mich den Lesefreuden hingebe, bei Marc-Uwe Kling und seinen Känguru-Geschichten mache ich die Ausnahme. Selbstverständlich sind Klings Texte schon beim Lesen witzig genug, doch sein gesprochenes Wort ist eine Offenbarung schlechthin, die Stimmen, die der in Berlin lebende Kling seinen Protagonisten gibt, zu allererst natürlich dem Känguru selbst, verleihen seinen Ausführungen den nötigen Schmiss und eine zusätzliche humoristische Note. Es ist großes satirisches Kabarett, mit dem uns der 1982 in Stuttgart geborene Marc-Uwe Kling seit fünf Jahren beglückt. 2009 erschien mit „Die Känguru-Chroniken“ der erste Band über die „Ansichten eines vorlauten Beuteltieres“, 2011 folgte mit „Das Känguru-Manifest“ die Fortsetzung und nun Teil drei und der vorläufige Höhepunkt, „Die Känguru-Offenbarung“. Das von der Abschiebung bedrohte Känguru hat sich aus der Haft retten können und quartiert sich wieder in der Wohnung des Kleinkünstlers Marc-Uwe Kling ein. Doch schon bald zieht es das kommunistische Känguru und seinen Erfinder hinaus in die große Welt, denn es gilt den „Weltverschlechterungsplan“ des Pinguins, des natürlichen Feindes des Kängurus zu vereiteln. Klings Nachbar ist verschwunden und auf der Suche nach dem Erzfeind des Kängurus verschlägt es die zwei nach New York, Toronto, Los Angeles, Caracas, Brüssel, Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi, Patmos bis hin nach Australien. Als running gag gibt es dort überall „geschlossene Schlecker“ zu entdecken und mit Hilfe des weit verbreiteten „Asozialen Netzwerks“ bleiben Kling und das Känguru dem Pinguin bis zum großen Finale auf der Spur.

Die Känguru-Offenbarung als Gesellschafts-Satire

Liebevoll bedient sich Marc-Uwe Kling bekannten Motiven von Monty Python, „Wallace & Gromit“, „Star Wars“ oder „Herr der Ringe“ und bettet diese kongenial in seine neue Gesellschafts-Farce. So wird bei Kling aus der historischen Roman-Reihe „Die Wanderhure“ der Fantasy-Mehrteiler „Die Wunderhure“, mit den Fortsetzungen „Die Wunderhure wundert sich“ und „Die Wunden der Wunderhure“ sowie den noch nicht erschienen weiteren Bänden „Die Wunderhure in Wuppertal“, „Der Lude der Wunderhure“, „Die Hochzeit der Wunderhure“ und „Die sieben Weltwunderhuren“. Ob Literatur- oder Filmbetrieb, ob Psychoanalyse, Wirtschaft und Ideologien, nichts bleibt von Klings feinsinnigem, hintergründigem, immer pointiertem und mal auch vorwitzigem Humor verschont. Und das aggressive, kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehende Känguru beim Mau-Mau-Spiel zu hören ist ein in Erinnerung bleibendes Erlebnis. Wie so viele der mit detailreichen Anspielungen gespickten Geschichten. Natürlich hat Kollegin Sophie Weigand mit ihrer Buchempfehlung auf literatourismus.net vollkommen Recht. Nur, man muss es gehört haben. Und nachlesen kann man es selbstverständlich auch.

 Marc-Uwe Kling: „Die Känguru-Offenbarung“, Hörbuch Hamburg Downtown, 6CDS, 978-3-8699135-8, 14,99 € und als Taschenbuch im Ullstein Verlag, 978-3-548-37513-7, 9,99 €.

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