Die Heiterkeit: Monterey – Album Review

Die Heiterkeit: Monterey – Album Review

Ein lakonisches, gereiftes Zweitwerk der jungen Damen von Die Heiterkeit

von Gérard Otremba

Natürlich singt Stella Sommer auch auf Monterey, dem zweiten Album ihrer in Hamburg gegründeten Band Die Heiterkeit, wie eine Mischung aus Patti Smith und Nico, das ist zweifellos richtig. Und wer an einen Song wie „Chelsea Girl“ der deutschen Chanteuse aus Andy Warhols Factory-Kreisen denkt, weiß, wie schnell es mit der flüchtigen Heiterkeit vorbei sein kann. Doch genauso evoziert Sommers tiefer und dunkler Gesang die Lassie Singers auf den Plan, denn auch Christiane Rösinger und Almut Klotz konnten so schön schluffig singen. Natürlich sind damit die Hysterie freien Lassie Singers-Songs gemeint, also Stücke wie „Mein zukünftiger Ex-Freund wirst du sein“, „Ist das wieder so ’ne Phase“, „Will ich mit dir gehen“ oder „Ich bin dir jetzt schon dankbar“. Ähnlich wie in diesen Songs der Lassie Singers ist die Lakonie, das Dehnen einzelner Wörter, die träge Müdigkeit in Sommers Stimme das unverwechselbare Hauptmerkmal von Die Heiterkeit. Die noch halbwegs flotte Indie-Pop-Nummer „Factory“ ist konsequenterweise Lassie Singers reloaded, bevor es in „Kalifornien“ mit der Entschleunigung auf Monterey richtig ernst wird. Die Temporeduktion durch Bassistin Rabea Erradi, Neu-Schlagzeugerin Ann-Lena Lutz, die Stefanie Hochmuth ersetzt hat,  und eben Sängerin und Gitarristin Stella Sommer erinnert an die wunderbare Band Low und kommt bei „Daddy’s Girl“ fast zum Stillstand.

Im Vergleich dazu war das Debütalbum Herz aus Gold purer Rock’n’Roll. Eigen ist den Songs auf Monterey nach wie vor eine windschiefe DIY-Attitüde, gereifter als aus dem Erstlingswerk, Keyboardphasen wie etwa in „Auge“ erweitern den musikalischen Horizont, New Wave und The Cure lassen grüßen. Man könnte denken, Stella Sommer verfalle beim Singen in Agonie, so viel Zeit lässt sie sich für den Text von „Wohin gehst du, Cary Grant“ und „Wässere mich“ verbindet elegant Melancholie mit Sehnsucht. Das verhallte „Kapitän“ nimmt Fahrt auf und kommt dem Midtempo sehr nahe, ein ganz ein knuffiger Indie-Pop-Song. Der „Frühlingsjunge“ wiederum verfällt in eine winterliche Dunkelheit, und der Bob Dylan-Verweis „Die ganzen müden Pferde“ ist durchzogen von schönster Lakonie, erhaben und anmutig. Zwar nicht mit „Pauken und Trompeten“, jedoch mit etwas mehr Drive versehen, beendet eben jener Song das überaus gelungene Album Monterey. Trotz der melancholischen Düsternis, die Monterey verbreitet,  zaubern uns die drei jungen Damen von Die Heiterkeit ein Lächeln auf die Lippen, zu schön sind die zehn Indie-Pop-Perlen auf diesem Album geworden.

„Monterey“ von Die Heiterkeit ist am 28.02.2014 bei Staatsakt / Rough Trade erschienen.

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