The Head And The Heart live im Hamburger Knust 2014 – Konzertreview

The Head And The Heart live im Hamburger Knust 2014 – Konzertreview

Die Heimkehr der Folk-Rock-Helden aus Seattle

von Gérard Otremba

Fast ein wenig sentimental  und wehmütig erinnert sich Sänger und Gitarrist Josiah Johnson mitten während des Auftritts im Knust an das erste Konzert seiner Band The Head And The Heart außerhalb der USA und bedankt sich für den „handsome“ Umgang mit seiner Gruppe. Dieses Konzert fand im März 2011 einen Steinwurf vom Knust entfernt im Uebel & Gefährlich statt. Die in Seattle beheimatete Formation The Head And The Heart trat als Support von The Low Anthem auf und begeisterte mit ihrem entfesselten Folk-Rock das Publikum auf Anhieb. Es folgte im selben Jahr ein Gig als Vorgruppe für Death Cab For Cutie im Docks, sowie die erste Headlinershow, noch mal im Uebel & Gefährlich. Mit diesen hinreißenden Konzerten erspielten sich The Head And The Heart auch jenseits des großen Teiches eine folgsame Fanbasis, die auch drei Jahre später immer noch aus zumeist sehr jungen Musikfreunden besteht.

Nach dem selbstbetitelten Debütalbum von 2011 veröffentlichten The Head And The Heart Ende Oktober letzten Jahres den Nachfolger Let’s Be Still und das Konzert in Hamburg ist der Auftakt zur anstehenden Europatour. Seit 2011 haben sich die Vorzeichen geändert, das Knust ist rappelvoll ausverkauft und The Head And The Heart bringen ihrerseits mit dem jungen Songwriter Paul Thomas Saunders, der mit Gitarre, expressiven Gesangstil und Buddy-Holly-Nerd-Brille  sehr sanfte Songs der Marke Richard Hawley vortrug, einen Support mit. Um 22 Uhr ist es dann so weit, das Sextett betritt die Knust-Bühne und es fühlt sich wirklich wie eine Helden-Heimkehr an, frei nach dem ersten Song des neuen Albums, „Homecoming Heroes“, der beim Konzert nach dem Auftakt aus „Cats And Dogs“ und „Coer d’Alene“ gespielt wird. Die Sänger und Gitarristen Jonathan Russell und Josiah Johnson, Violinistin und Sängerin Charity Rose Thielen, Bassist Chris Zasche, Drummer Tyler Williams und Keyboarder Kenny Hensley sind sofort in ihrem Element und versprühen überbordende Euphorie und Enthusiasmus, wie man es von ihnen kennt.

Doch aus der Rasselbande ist in der Zwischenzeit auch eine gereifte, im positiven Sinne abgeklärte Combo geworden, die das Publikum Textpassagen singen lässt und durch seine Ausgelassenheit zum Tanz animiert. Bis auf das einzige Manko, die mit knapp 80 Minuten viel zu kurze Konzertdauer, stimmt an diesem Abend alles. Gute Stimmung im Publikum sowie eine ausgewogene Songauswahl der beiden veröffentlichten Alben. Es reiht sich ein gefühlter Hit („Ghost“, „Shake“) an den anderen („Lost In My Mind“ „Another Story“), die Harmoniegesänge brillieren, und außerdem sind die sechs Musiker von The Head And The Heart einfach knuffig und allesamt ins Herz zu schließen. Der Song „Lost In My Mind“ erfährt geradezu frenetische Jubelstürme, vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass sich das Stück auf dem Soundtrack der überaus erfolgreichen Kino-Komödie „Türkisch für Anfänger“ wiederfand und so zum Popularitätsschwung von The Head And The Heart beisteuerte. Mit weiteren Highlights wie „Gone“, „Sounds Like Hallelujah“ und „Rivers And Roads“ naht sich der Auftritt dem Ende, den die Zugaben „Let’s Be Still“ und „Down In The Valley“ besiegeln. Die Musik von The Head And The Heart ist schlicht süchtig machend und ein hoffentlich baldiges Wiedersehen auf einer Hamburger Bühne vorprogrammiert.

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