Die Toten Hosen: Ballast Der Republik

Die Toten Hosen: Ballast Der Republik

Hymnischer Punk-Rock: Die Toten Hosen triumphieren

von Gérard Otremba

Herzlichen Glückwunsch Fortuna Düsseldorf! Protest hin oder her. Wenn schon der FC St. Pauli die Blau-Weiße Hertha nicht in die 2. Liga schießen durfte, dann wenigstens die Fortuna. Nun ist der bekannteste Fußballclub Düsseldorfs endlich wieder dort angekommen, wo die Toten Hosen schon lange spielen, nämlich in der 1. Liga. Dass dem so ist, beweisen die Hosen auf ihrem neuen Album „Ballast der Republik“. Vielleicht sogar die beste Platte der Hosen in ihrer nun auch schon 30-jährigen Bandhistorie. Auf jeden Fall warten Campino, Andi, Breiti, Kuddel und Vom mit einigen megafetten Hymnen auf. Allen voran natürlich die erste Single-Auskopplung „Tage wie diese“. Das ist ein „Wir-liegen-uns-alle-in-den-Armen-und-schmettern-den Refrain-so-laut-wir-können“-Song, der Stadien erschallen läßt. Epischer Breitwand-Rock. Und den können die Hosen in der Zwischenzeit einfach richtig gut. Siehe „Schade, wie kann das passieren?“, ein Song, den die Fortuna-Fans in der neuen Saison eventuell öfter anstimmen müssen, aber eine Niederlage gegen den FC Köln wird nicht darunter sein, denn der kickt in Liga zwei. Vom ähnlichen Format zeugen noch die Songs „Oberhausen“ sowie „Altes Fieber“, das nostalgisch, aber ohne sentimentalen Kitsch, in Erinnerungen schwelgt. Und das ist das Schöne an den Toten Hosen, dass man mit ihnen zusammen alt werden kann und trotzdem jung bleibt. Scheiß auf die früher oder später herannahende 50. Ist nur eine Zahl. Der Punk-Rock funktioniert nicht nur mit 18. Zum Beispiel beim Titellied „Ballast der Republik“, Campinos reflektierendes Statement zur deutschen Vergangenheit und Gegenwart. Oder aber bei „Traurig einen Sommer lang“, das neben des Rabaukigen noch mit Pop-Appeal glänzt. Außerdem schafft es Campino hier Jim Morrison, Sid Vicious, Bon Scott sowie Rex Gildo und Michael Jackson in einem Text zu verewigen. Hut ab. Sehr schön auch das ruhige und introspektive „Draußen vor der Tür“, der Rock-Pop von „Ein guter Tag zum Fliegen“, das hymnische „Das ist der Moment“, sowie der hechelnde Abschluss „Vogelfrei“. Und selbstverständlich können die Hosen auch Cellos und Violinen einsetzen, ohne das Gesicht zu verlieren. Im Gegenteil. Wie nannten wir ein Ereignis wie dieses, damals in der 80ern, als alles begann? Superoberaffenbrotbaumgeil. Genau das ist „Ballast der Republik“. Und dazu herzlichen Glückwunsch an die Toten Hosen.

Die Toten Hosen: Ballast Der Republik (JKP / Warner)

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.